Berlin : Noch mehr Abenteuer der Boros

Die Berliner Familie, die freiwillig wie vor 100 Jahren in einem Schwarzwaldhaus lebte, hat nun ein Buch herausgebracht

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Die Boros waren schon Zeitreisende, SoapStars und zu Gast bei Fernsehpfarrer Fliege. Und jetzt sind sie auch noch Buchautoren. „Wir Boros und das Schwarzwaldhaus“ heißt das Buch, in dem die Eltern Ismail, Marianne und die Kinder Akay, Sera und Reya noch einmal aufbereiten, was sie erlebt haben, als sie in einem abgelegenen, alten Haus im Schwarzwald gehaust haben wie vor 100 Jahren. Gestern hatte sich die Berliner zur Vorstellung des Bandes angesagt. An (fast) passender Stelle: im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Charlottenburg.

Für die Boros hatte sich das Leben Anfang 2001 geändert, als sie im Wohnzimmer ihres Reihenhäuschens in Lichterfelde saßen und die Boulevardsendung „Brisant“ im ersten Programm schauten. „Welche Familie will zehn Wochen in einem Schwarzwaldhaus wohnen wie vor hundert Jahren?“, fragte der Moderator. Die Regeln: Die Zeitreisenden bewegen sich frei – aber zu Fuß. Sie tragen die Kleider von damals und sie ernähren sich, wie 1902 dort üblich, fast ausschließlich von Kartoffeln. Sie haben Tiere zu versorgen und heutige Hilfsmittel gibt es nicht, außer einem Nottelefon in einer Kiste. Die Eltern bewarben sich. Sie fanden es sinnvoll, den Kindern mal das ganz einfache Leben zu zeigen.

Mehr als sechs Millionen Zuschauer hatten den Vierteiler im Dezember 2002 verfolgt, und die Beckmann-Sendung, zu der die netten, humorvollen Berliner anschließend eingeladen waren, wurde zur erfolgreichsten aller Zeiten mit mehr als 3,7 Millionen Zuschauern. Das ganz reale Reality-TV war so beliebt, dass es, sehr amerikanisch, sogar Neuschnitte der Sendungen gab mit dem Titel „Mehr Abenteuer der Familie Boro“. Die Boros wurden fotografiert, interviewt und auf der Straße angesprochen. Allerdings bekamen sie auch einige Briefe, in denen die Absender meinten, sie hätten sich gar zu dämlich angestellt, als Bauern. Der Medienrummel wollte kein Ende – auch darum geht’s im Buch.

Jetzt werden die Boros ihr Leben völlig umkrempeln. Es hatte nämlich Schwierigkeiten gegeben, bei dem Zeitsprung zurück von 1902 nach 2002. Es habe sich angefühlt, hat Marianne Boro dem Tagesspiegel damals erzählt, als seien sie aus dem wahren Leben in ein virtuelles zurückgekehrt. Die Augen fanden keine Ruhepunkte mehr in der Großstadt, Bankkonten kamen ihnen sehr irreal vor und die Kinder konnten in der Schule kaum noch still sitzen. Jetzt wollen die Boros ins Umland ziehen, ins Grüne.

Viel Stress hat den Boros ihre Zeitreise beschwert, aber auch eine ganz neue Gelassenheit. Vor kurzem hat Marianne Boro, die einen Kinderladen in Mitte leitet, mal gesagt: Ich kann jetzt Bürsten herstellen. Wenn die Kita-Gebühren weiter steigen und ich den Laden schließen muss, werde ich eben Bürsten auf dem Winterfeldt-Markt verkaufen. rcf

Das Buch „Wir Boros und das Schwarzwaldhaus“ ist im Lübbe Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.

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