Berlin : Noch mehr Degussa im Mahnmal Das Produkt einer Tochterfirma

wurde im Fundament verbaut

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Am Bau des HolocaustMahnmals ist Degussa stärker beteiligt als ursprünglich angenommen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat nicht nur den Graffitischutz für die Stelen geliefert. Auch für das Fundament ist ein Produkt aus dem Hause Degussa verwendet worden. Der Mahnmalbau war Ende Oktober vom Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden gestoppt worden, weil eine Degussa-Tochter in der NS-Zeit das Gift Zyklon B produziert hatte. Der neue Sachstand „wird einfließen in die Entscheidung, die das Kuratorium in der nächsten Woche über die Verwendung eines Degussa-Produktes für den Graffiti-Schutz zu treffen hat“, sagte der Vorsitzende der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, gestern der „Tagesschau“.

„Für das Fundament ist ein Betonverflüssiger der Degussa-Tochter Woermann Bauchemie verwendet worden“, hatte Stiftungssprecher Uwe Neumärker am Mittwochnachmittag mitgeteilt. Das sei am Dienstag bei einem Treffen von Vertretern der Stiftung und der Senatsbauverwaltung im Joachimsthaler Werk der Firma Geithner Bau herausgekommen. Geithner fertigt die Mahnmal-Stelen. Bei dem Treffen waren Alternativ-Produkte zum Antigraffitimittel von Degussa geprüft worden. Dabei habe sich dann herausgestellt, dass eine der Baufirmen mit dem Betonverflüssiger der Firma Woermann gearbeitet habe. Allerdings sei das Mittel nur ein Zusatz, der in den Beton gegeben werde, damit er leichter verarbeitet werden könne, betonte Neumärker.

Sollte sich das Stiftungskuratorium nun gegen die Verwendung des Imprägniermittels von Degussa aussprechen, dann müsste in der Konsequenz auch das Fundament neu gegossen werden. Das würde nicht nur teuer werden, sondern auch bedeuten, dass alles bisher Gebaute abgerissen werden muss. Vielleicht bleiben aber auch die Degussa-Stelen letztlich einfach stehen – als Mahnmal im Mahnmal. dro/kög

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