Berlin : Noch mehr Kraft für Möbel-Höffner

Berliner Firma steigt beim legendären Konkurrenten in Bad Segeberg ein und wird zum zweitgrößten deutschen Händler

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In seinen besten Zeiten war „ Möbel Kraft“ in Bad Segeberg ein Lieblingsziel vieler Berliner Ausflügler. Reisebusse fuhren jeden Sonnabend hin und zurück, so groß war das Interesse an dem weit entfernten Möbelhaus, das als unschlagbar billig galt. Seine besten Werbeträger in der Stadt waren die Lieferlastwagen, die jeden Tag zu Dutzenden unterwegs waren, um alle Bestellungen auszuführen. Doch längst hat der Wind sich gedreht, die Berliner Konkurrenz wurde stärker, der Markt gesättigt, die Konjunktur brach ein. Nun schlägt die Hauptstadt zurück: Möbel Höffner, Sitz Berlin, steigt bei dem schlingernden Segeberger Unternehmen ein und damit auf zum zweitgrößten deutschen Möbelhändler nach Ikea.

Kraft, ein 1893 gegründetes Familienunternehmen, veröffentlicht traditionell kaum Zahlen. Im vergangenen Sommer war aber bekannt geworden, dass man sämtlichen Auslieferungsfahrern angeboten hatte, die Firma gegen Abfindung zu verlassen. Im November beklagten einige der 2000 Mitarbeiter nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rüde Entlassungsmethoden. Dabei wurden Umsatzeinbrüche um die 20 Prozent genannt, ausgehend von einem Durchschnittsumsatz von etwa 500 Millionen Euro.

Hauptgrund der Krise war neben der allgemeinen Wirtschaftslage offenbar vor allem der knüppelharte Preiskampf im Hamburger Raum. Der Niedergang des Kraft-Umsatzes in Berlin begann vermutlich schon kurz nach der Wende, als mehrere eingesessene Händler wie Tegeler und Höffner das Konzept nachahmten, kleine Filialen in der Innenstadt aufgaben und dafür riesige Möbelhäuser auf Wiesen im Berliner Umland stellten. Höffner, geleitet von Kurt Krieger, ist zurzeit neben Ikea das einzige Unternehmen, das sich dem Abwärtstrend entziehen konnte und weiter wächst; es beschäftigt jetzt an neun ostdeutschen Standorten rund 3000 Mitarbeiter. Der letzte viel beachtete Schritt des Unternehmens war die Übernahme des umsatzstarken Konkurrenten Möbel-Walther.

Kraft-Sprecher Guido Steffen dementierte am Mittwoch laut dpa Pressemeldungen, nach denen Höffner die Mehrheit des Unternehmens übernommen hat. Dies sei falsch, sagte er, „beide Firmen werden weiterhin so geführt wie bisher. Kraft bleibt Kraft.“ Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Kiel hat Höffner bereits ein Sanierungskonzept erarbeitet, das bald vorgestellt werden soll. bm

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