Berlin : Noch mehr Stadtvillen für Mitte

Senatsbehörde will Viertel mit „Townhouses“ am Petriplatz schaffen. Bisher gehört das Areal am alten Jugendmodehaus dem Bund

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Sie wirken noch ungewöhnlich in der Innenstadt: Jene schmalen, drei- bis vierstöckigen Reihenhäuser, die betuchte Haushalte nach eigenen Entwürfen errichtet haben. Auf dem Friedrichswerder am Auswärtigen Amt beispielsweise sind fast 50 dieser Stadthäuser oder „Townhouses“ schon fertig oder noch im Bau. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht „Potenziale“ für weitere private Stadthäuser zwischen Breite-, Scharren- und Brüderstraße am Petriplatz in Mitte. Neue Wohnhäuser könnten die Gegend beleben, heißt es.

Ein Bebauungsplan sei bereits in Arbeit, teilt Amelie Schoen vom Hauptstadtreferat mit. Allerdings ließen sich die Bauten erst verwirklichen, wenn der Bund die nötigen Grundstücke freigibt.

Dem Senat kommt zugute, dass sich der Bund von den Immobilien in diesem Bereich trennen will. Das einstige Jugendmodehaus an der Scharren-/Ecke Brüderstraße, das ihm auch gehört, soll schon im nächsten Jahr verkauft werden. Seine Zukunft ist unklar, aber es wird nicht abgerissen, weil es unter Denkmalschutz steht. Die Nachbargebäude aus den siebziger Jahren aber sollen schon in ein, zwei Jahren abgerissen werden. Die Häuser haben desolate Fassaden, zum Schutz der Fußgänger wurden, wie vorm Jugendmodehaus, die Bürgersteige eingezäunt. Die Bundesanstalt für Immobilenaufgaben erwartet aber, dass zumindest ein Hausteil in Richtung Staatsratsgebäude mit dem „Stadtbüro“ des Bundesnachrichtendienstes vorläufig weiter genutzt wird.

Mit dem Großteil der Flächen kann der Bund aber nichts mehr anfangen. In den Plattenbürobauten an der Scharren- und Breite Straße arbeiten allerdings noch Beschäftigte der Bundesbaugesellschaft und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Hier war einst das DDR-Bauministerium angesiedelt, nach der Wende kam die Außenstelle des Bundesministeriums in den Räumen unter. Seit vielen Jahren gelten die Fassadenplatten als Sicherheitsrisiko. Der Beton könnte abplatzen. Eine Reparatur lohnt nach Angaben des Bundes nicht mehr. Im Inneren, wo die Beschäftigten noch den „Charme der echten DDR“ spüren, wurde kaum noch renoviert, weil der Abriss in Sicht ist. Darüber gab es auch schon Gespräche mit dem Senat.

Nicht nur Stadthäuser sollen entstehen. Geplant ist auch, die Bürgersteige der Breiten Straße zu verbreitern, die Fahrbahnen schmaler zu machen. Am Petriplatz soll dichter an die Gertraudenstraße herangebaut werden – mit Büro- und Geschäftshäusern. Für das Jugendmodehaus, das künftig von exklusiven Eigenheimen umrahmt sein könnte, wünscht sich die Senatsbehörde eine „sinnvolle Nutzung“. Vor der Wende war das „kontex“-Warenhaus eine bekannte Adresse bei Ost-Berliner Jugendlichen. Das 1908 erbaute Gebäude gehörte einst zum Kaufhauskomplex Hertzog. Seit 1991 steht das Haus leer, 1995 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Der Bund führte einen langen vermögensrechtlichen Streit mit dem Konsum.

Der Senat sieht Townhouses im Trend: Seit 2005 werden sie in Berlin errichtet, Reihenhäuser von unterschiedlicher Architektur. Eine weitere exklusive Eigenheimsiedlung ist beispielsweise an der Friedrichswerderschen Kirche geplant. Townhouses stehen aber auch an der Rummelsburger Bucht oder in den „Prenzlauer Gärten“ am Volkspark Friedrichshain.C. v. L.

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