Berlin : Noch nichts zu sehen, schon viel passiert

Tüftelei hinter der Fassade: Im denkmalgeschützten Metropol sollen wieder Theater und Bäder entstehen

Lothar Heinke

Was tut sich eigentlich hinter der Fassade, die mit einem riesigen Werbeplakat verhängt ist? Wieso ist es so still hinter dem Zaun, der den Durchgang zum „Metropol“ versperrt? „In unseren Köpfen und Computern ist eigentlich alles schon so gut wie fertig“, sagt Joachim Barth, einer der vier Gesellschafter (dazu gehören noch „Arena“-Betreiber Falk Walter und die Theaterproduzenten Marcus Flügge und Jon Trygvasson). Diese vier Herren haben den denkmalgeschützten Komplex für eine Million Euro gekauft und werden schätzungsweise noch 13 Millionen in den Ausbau stecken. Gestern gehörten Metropoltheater und Admiralspalast auch zum Besichtigungsprogramm beim „Tag des offenen Denkmals“, allerdings musste die Führung wegen Unstimmigkeiten zwischen Veranstalter und dem noch zuständigen Liegenschaftsfond Berlin entfallen.

Barth, der mit seiner Firma für die technische Realisation des legendären „Faust“ in der „Arena“ zuständig war, öffnet im 6. Stock des Vorderhauses die Tür zur einstigen Bibliothek des Berliner Journalistenverbandes. Nun stehen wir im Admiralspalast zwischen Vergangenheit und Zukunft: Alte Fotos, Projektzeichnungen von früher sind an die Wände gepinnt, auf dem Tisch von Architekt Frans Dikmans liegen die neuen Pläne, und an den Computern in den angrenzenden Büros sitzen junge Leute und zaubern auf die Bildschirme ihre bunten, plastischen „Schnittmusterbögen“, die, zusammengesetzt, einmal den neuen Admiralspalast ergeben werden. „Man sieht nichts“, sagt der Architekt, „aber es ist irrsinnig viel passiert: Wenn ich nur ein Theater oder eine Badeanstalt baue, dann geht das natürlich einfacher, als wenn, wie hier, alles zusammenkommt!“

Und tatsächlich, hier kommt eine ganze Menge zusammen. Unterhaltung auf allen Ebenen. Ein Haus, dem sich die Stücke anpassen werden und nicht umgekehrt. Fangen wir ganz tief an: Unter dem jetzigen Hof vor dem Theatereingang soll es „ein Mittelding zwischen DiscoKlub und Bar“ geben. Darüber, im Parterre, zur Straße hin, wird wieder das zu DDR-Zeiten legendäre Presse-Café seine Gäste empfangen; 300 Plätze soll dieses „Grand-Café“ haben.

Die „Distel“ bleibt, wo sie ist, das Theater im Admiralspalast mit seinen 1650 Plätzen wird im Wesentlichen erhalten, auch das Foyer steht unter Denkmalschutz. Das Theater soll für Gastspiele vermietet werden, darüber werden die einstigen Orchesterprobenräume zu einem Studiotheater mit 550 Plätzen ausgebaut. In der früheren Kantine wird es noch ein kleines Theater („Foyer 101“) für Lesungen und Versammlungen geben.

Der Clou aber ist die Wiederbelebung jenes Bades im oberen Teil, das in den zwanziger Jahren den Reisenden, die am Bahnhof Friedrichstraße mit dem Fernzug ankamen, willkommene Aufmunterung bot, bevor sie sich in den Amüsierbetrieb stürzten. Die Keramikkacheln und Figuren von einst waren 1988 abgebaut und in 47 Kisten gepackt worden – die stehen jetzt bei der Denkmalpflege und sollen wieder eingebaut werden. Und auch die Solequelle blubbert noch: 278 Meter unter der Friedrichstraße. Später soll sie ins Saunabad strömen und den 1080-Quadratmeter-Wellnessbereich attraktiver machen.

Der Kaufvertrag für das ganze Unterhaltungspaket Admiralspalast sei unterschriftsreif, sagt Joachim Barth und hofft, dass die Sache im Oktober perfekt wird. Dazu muss die Bauplanung für die Sanierung komplett vorliegen. Und vom Tag der Unterschrift an haben Betreiber und Bauleute nurmehr 18 Monate Zeit bis zur Wiedereröffnung. Die zweite Bedingung: Der Palast muss zehn Jahre lang kulturell genutzt werden – für was und von wem auch immer.

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