Berlin : Noch sind 60 000 Haushalte ohne Anschluss - Kritik vom Verband der Grundstücksnutzer

Einen "drastischen Rückgang" bei den von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) durchgeführten Kanalisationsarbeiten in Siedlungsgebieten im Ostteil der Stadt hat der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) beklagt. Analysen des Verbandes belegten für 1999 einen Rückgang auf 59 Prozent des Vorjahresniveaus, teilte VDGN-Präsident Eckhart Beleites am Freitag mit.

Nach seiner Meinung hat diese Entwicklung mittelbar negative Auswirkungen auf die infrastrukturelle Entwicklung der Gebiete. In der Regel erfolge eine Straßensanierung der dortigen "Buckelpisten" erst nach dem Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung. Beleites erinnerte daran, dass Politiker im Wahlkampf unter anderen den Bewohnern der Siedlungsgebiete von Köpenick, Marzahn und Hellersdorf zugesagt hatten, das Wechselspiel von Kanalisierung und Straßenbau zu forcieren.

Es liege die Vermutung nahe, dass Neuanschlüsse an die Kanalisation nach der Teilprivatisierung der BWB "als wenig gewinnbringendes Segment eingestuft und entsprechende Entscheidungen gegen die Bürger getroffen worden sind", sagte der VDGN-Präsident. Nach Schätzungen des Verbandes sind im Ostteil der Stadt noch rund 60 000 Haushalte ohne Kanalisationsanschluss. Beleites forderte die Wasserbetriebe und die verantwortlichen Politiker zum Umdenken auf.

BWB-Sprecher Stephan Natz bestätigte auf Anfrage, dass die Kanalisierung "nicht in dem Tempo weiter gehen wird wie bisher". Nach seinen Angaben wurden in den vergangenen Jahren im Ostteil jedes Jahr durchschnittlich 61 Kilometer Abwasserrohre verlegt. Seit der Teilprivatisierung des Unternehmens im Frühjahr letzten Jahres würden jegliche bereits geplanten Investitionen hinsichtlich ihrer Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit unter die Lupe genommen, sagte Natz.

Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Klar sei jedoch, dass das bisherige Niveau der Erweiterungsinvestitionen nicht gehalten werden könne und der Schwerpunkt bei der Pflege und Sanierung des bestehenden Abwassernetzes liegen werde. Ein Hintergrund sei der Privatisierungsvertrag, der die Wasserpreise bis zum Ende des Jahres 2003 einfriert. Die Wasserbetriebe stünden im Wort, räumte Natz ein. Zugleich machte er jedoch darauf aufmerksam, dass es keinen Rechtsanspruch auf einen Kanalisationsanschluss gibt.

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