Berlin : Noch zieht es im Bendlerblock: Umzug muß verschoben werden

LOTHAR HEINKE

BERLIN .Verschiedene Bundesministerien, die von Bonn nach Berlin ziehen, werden später arbeitsfähig sein als geplant: Der Neubau des Auswärtigen Amtes hinkt zwei bis drei Monate hinter dem Plan her, so daß jetzt schon abzusehen ist, daß es nicht, wie vorgesehen, Ende 1999 am Werderschen Markt komplett arbeitsfähig ist.Betroffen sind auch Finanz- und Verteidigungsministerium."Das Auswärtige Amt hat für eine kurze Übergangszeit nur eine eingeschränkte Präsenz", heißt es diplomatisch, "zwischen der Übergabe eines Neubaues und dem Hereinrollen des letzten Schreibtischs liegt manchmal die Spanne von einem viertel Jahr".

Zeitverzögerungen gibt es beim Umbau des Finanzministeriums, für den 287 Millionen Mark veranschlagt sind.Mit rund 112 000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche, 40 000 Quadratmeter Fassaden, 4000 Fenstern, über 2 000 Räumen, 17 Treppenhäusern und 6,8 Kilometern Flure ist das einstige Reichsluftfahrtministerium eines der größten Berliner Bürogebäude.Es soll Schritt für Schritt bezogen werden und laut Plan Ende des Jahres arbeitsfähig sein.Zuvor muß ein Reparaturstau vergangener Zeiten aufgearbeitet und die Haustechnik erneuert werden."Wenn man einmal damit anfängt, tun sich Abgründe auf", sagen die Fachleute."Das kostet Zeit und Geld."

"Objektive Gegebenheiten" und unvorhersehbare bauliche Probleme aufgrund der Altbausanierung verzögern auch die Fertigstellung des zweiten Dienstsitzes vom Bundesminister der Verteidigung im geschichtsträchtigen Bendlerblock am Reichpietschufer.Geplant war, daß Rudolf Scharping mit 350 Mitarbeitern im Sommer in den fünfgeschossigen Bau am Landwehrkanal zieht (der erste Dienstsitz des Ministeriums bleibt in Bonn)."Jetzt halten wir Frühjahr bis Sommer 2000 für machbar", sagt Gudrun Finke, Pressesprecherin im Bauministerium.Eine neue Bauleitung erarbeitet gerade einen neuen Zeitplan, nachdem sich der Bauherr von der Bauleitung des Berliner Generalplaners Burckhardt, Emch und Berger GmbH getrennt hat.Die über 100 Millionen Mark teuren Umbauten des Altbaus mit 400 Büros sind ins Stocken geraten, weil - es zieht.Die Fenster fehlen.Der Bau konnte nicht winterfest gemacht werden.Grund ist eine bei Berliner Umbauten typische Auftragsvergabe an Subunternehmer mit dem günstigsten - also billigsten - Angebot, "und die gehen dann plötzlich pleite", wie ein Beamter sagt.Im Bendlerblock verlangte der Denkmalschutz stilgerechte Fenster; die mit dem Umbau beauftragte deutsche Firma (der inzwischen der Auftrag entzogen wurde) baute die Fenster aus und schaffte sie zur Bearbeitung in ihre "Nebenstelle" in einen kleinen Ort zwischen Posen und Warschau, der erst nach längeren Recherchen ausfindig gemacht wurde - mitsamt der unbearbeiteten Fenster.Überdies mußten mehr abgehängte Decken saniert werden als geplant.

Damit der Verteidigungsminister mit seinem Leitungsbereich ab September in Berlin präsent ist, sollen neben Teilbereichen im Bendlerblock vorübergehend andere Häuser benutzt werden, die Julius-Leber-Kaserne und vielleicht das einstige Shell-Haus.

"Punktgenau am 1.Juli 1999 wird wohl kein einziges Haus bezogen werden", sagt ein Insider."Wir können froh sein, wenn wir im Laufe des Jahres 2000 mit dem Einzug komplett fertig sind".

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