Berlin : "Nofitti": "Eine soziale Stadt ist eine saubere Stadt"

Ingo Bach

Nicht nur die Polizei geht organisiert gegen die Graffiti in der Stadt vor, sondern inzwischen auch eine Bürgerinitiative. 1994 gründeten Berliner, die der "Verunstaltung der Stadt" (Vereinschef Karl Hennig) einen Riegel vorschieben wollen, den Verein "Nofitti".

"Anfangs hat man uns als Saubermänner von Berlin verlacht", sagt Karl Hennig. Inzwischen lache niemand mehr über die Aktionen der etwa 50 Vereinsmitglieder. Jedes Jahr bringt der Nofitti 100 000 Mark zusammen, um Denkmäler, Brunnen oder öffentliche Gebäude von den Schmierereien reinigen zu lassen. Dabei arbeitet der Verein mit den auf Graffiti-Schutz spezialisierten Firmen zusammen, die den öffentlichkeitswirksamen Ausputzern gerne Bürste und Reinigungsmittel reichen. Denn über den Verein können sie in Kontakt zu potenziellen Abnehmern ihrer Produkte kommen. Mit dieser Partnerschaft befreite Nofitti in den letzten Jahren unter anderen das U-Bahn-Viadukt Schönhauser Allee, den Großen Stern im Tiergarten und die Kolonnaden am Viktoria-Platz von den ungeliebten Reviermarken der Sprayer.

Zum Thema Ted: Sprayer verpfeifen - soll das belohnt werden?
Meinungen: Pro & Contra Aber nicht nur die Reinigungsfirmen greifen tief in die Tasche für den Feldzug gegen die Schmiererei. So hat es sich das Kaufhof-Warenhaus am Alexanderplatz nicht nehmen lassen, die Reinigung des "Großen Brunnens der Völkerfreundschaft" direkt vor seinen Toren zu bezahlen.

"Wir wollen die Öffentlichkeit darüber aufklären, was für eine massive Sachbeschädigung die Sprayer begehen", sagt der Vereinsvorsitzende Hennig. Und die Stadt gehe dabei vor die Hunde. "Eine beschmierte Kiezecke lädt doch geradezu zur weiteren Vermüllung ein. Eine soziale Stadt ist eine saubere Stadt."

Der Werteverfall, der hinter den Graffiti stehe, sei erschreckend, meint Hennig. "Die Sprayer verachten das Eigentum und die Aufbauleistungen anderer." Und wenn sie sich sogar an Denkmälern vergriffen, dann sei das doch eine Kulturschande. "Die Sprayer haben doch nicht mal vor Friedhofsmauern Respekt", schimpft Hennig. Die Justiz müsse diesen Vandalismus mit "angemessener Härte" verfolgen. Auf der anderen Seite fordert der Verein, den Jugendlichen bessere Freizeitangebote zu machen, damit die von diesen dummen Ideen wegkommen. Und schon in der Schule soll den Kindern Respekt vor dem Eigentum anderer beigebracht werden.

Auch die Öffentlichkeit funktioniert nicht so, wie es sich die Vereinsmitgliedern von Nofitti wünschen. Viel zu duldsam ist sie gegenüber den Farbdosen-Frevlern. "Wenn die die Autos vor den Häusern besprühen würden, dann würden die Anwohner sicher viel besser aufpassen."

Als nächstes Ziel peilt Nofitti größere Ziele an. "Wir wollen jetzt einige der großen Berliner Shopping-Straßen von den Verunstaltungen befreien", sagt Hennig. Zunächst geht es um die Berliner Straße in Weißensee und die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg.

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