Berlin : Nonstop-Flüge Berlin-Washington D.C.: Chicken-Wings vor dem Erstflug

Rainer W. During

Was den Medienrummel betraf, so fühlte man sich gestern Vormittag in Tegel an die Gründerzeit des Transatlantik-Luftverkehrs zurückversetzt. Ganze Heerscharen von Fotografen und Kamerateams stürzten sich zumindest im VIP-Bereich auf fast jeden der Passagiere. Zwar gehört kein Wagemut mehr dazu, mit einem Flugapparat von der alten in die neue Welt zu starten. Doch wie in kaum einer anderen Stadt sieht man in Berlin die Nonstop-Verbindung in die USA als besonderes Prestige und nach dreijähriger Abstinenz kam unter den anwesenden fast ein wenig Pioniergeist auf, wie er damals bei Charles Lindberg geherrscht haben muss. Mit blauen, roten und weißen Luftballons und Stoffbahnen sowie den Stars and Stripes wurden diejenigen, die an den Start gehen durften und jene, die sich nur zur Verabschiedung eingefunden hatten, eingestimmt. Zur Stärkung standen Muffins, Chicken-Wings und ein wohl typisch amerikanisches Gebräu aus Kirsch- und Bananensaft bereit. Und der anfangs etwas traurige Blues des strohbehüteten Saxophonspielers wurde mit dem Eintreffen der Ehrengäste zunehmend flotter.

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"So groß uns wichtig" sei das Ereignis, dass Tegel "es kaum verkraften kann", sagte Jürgen Weber. Flug LH 414 Berlin-Washington ist "das Hochzeitskleid unserer Frühjahrskollektion 2001", schwärmte der Lufthansa-Vorstandschef. Er bezeichnete die Bewegung aus Politik und Wirtschaft, von der die Nonstop-Verbindung seit Jahren vehement gefordert worden war, als "Bürgerinitiative". Der Flug solle "Signale setzen" und "Brücken schlagen zwischen der wiedervereinigten Hauptstadt Deutschlands und der Hauptstadt unserer amerikanischen Freunde". Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen unterstrich die wesentlich besseren Ausgangsvoraussetzungen für die Wiederaufnahme der Flugverkehrs in die USA. Er verwies auf die zunehmende Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen und die mit der EU-Erweiterung nach Osten wachsende Bedeutung der Stadt im europäischen Verkehrsnetz. Und er wünscht sich, dass nicht nur weitere Transatlantikflüge, sondern auch neue Verbindungen in den Fernen Osten folgen. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe versicherte, dass dafür der neue Großflughafen in Schönefeld "mit Sicherheit" planmäßig Ende 2007 bereitstehen wird. Für Brandenburg seien die USA der mit Abstand größte Wirtschaftspartner, für die Menschen, die Jahrzehnte hinter der Mauer geklebt hätten, habe die Verbindung ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" einen "hohen psychologischen Stellenwert". "Die Hauptstadt braucht und die Menschen wollen diese Verbindung" sagte der Chef der Flughafen-Holding, Götz Herberg. Auch er erhofft sich eine "Sogwirkung" auf weitere Fluggesellschaften.

So waren alle zufrieden, als Flugkapitän Cord Becker pünktlich um 11.10 Uhr mit dem vollbesetzten, 212-sitzigen Airbus A340-200 in den Farben der Lufthansa-Star Alliance zum Start rollte. In Washinton wartete eine besondere Tauf-Zeremonie: Nach der Landung sollten zwei Löschzüge der Flughafen-Feuerwehr den Jet eskortieren und beim Ausrollen nassspritzen.

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