Nord-Süd-Strecke : Neue S-Bahnlinie in Berlin kostet 900 Millionen Euro

Vom Nordring zum Hauptbahnhof: Sie ist die zentrale neue Strecke unter der Stadt. Jetzt stehen die Kosten fest: fast eine Milliarde Euro.

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Die Bauarbeiten an der Strecke für die neue S21 verlaufen nicht nach Plan.
Die Bauarbeiten an der Strecke für die neue S21 verlaufen nicht nach Plan.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Arbeiten an der neuen Nord-Süd-Strecke der S-Bahn vom Nordring zunächst bis zum Hauptbahnhof stocken. Die Kosten des Projekts dagegen steigen: Rund 900 Millionen Euro soll die S 21 genannte Verbindung, die bis zu den vorhandenen Bahnhöfen an der Yorckstraße führen soll, nach derzeitigem Stand insgesamt kosten. Dies sei aber nur eine grobe Schätzung, teilte die Senatsverkehrsverwaltung jetzt auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tino Schopf mit. Ursprünglich wollte man mit rund 350 Millionen Euro auskommen.

Entstehen soll die Strecke in drei Etappen: Zunächst vom Nordring bis zum Hauptbahnhof, dann in der zweiten Stufe weiter bis zum Potsdamer Platz und in der dritten Phase zur Yorckstraße. Ganz langfristig ist es möglich, die Strecke bis zum Südring zu verlängern.

Schon seit sechs Jahren wird gebaut

Seit 2011/12 baut man am ersten Abschnitt. Weil es, wie die Bahn mitteilte, „abschnittsweise bauliche Schwierigkeiten“ gibt, haben sich Termine verschoben und die Kosten sind gestiegen. Veranschlagt waren 190 Millionen Euro. Inzwischen ist man bei mindestens 319 Millionen Euro angelangt. 60 Prozent davon übernimmt der Bund.

An der Invalidenstraße ist der neu gebaute Tunnel undicht und deshalb dringt Grundwasser in die Baugrube ein. Das Bauverfahren werde derzeit an diese „neue Erkenntnis“ angepasst, heißt es bei der Bahn zu dem schon lange bekannten Problem. Noch größer ist es am Hauptbahnhof. Dort hat man bei dessen Bau unterirdisch ein Gitter aus Betonstreben angebracht, das den Bahnhof und die Fundamente der Brücken tragen soll, wenn darunter der Bahnhof für die S 21 gebaut wird. Die Öffnungen in diesem Gitter sind jedoch zu klein ausgefallen, so dass ein Arbeiten „von oben“ kaum möglich ist. Hier sucht man noch eine Lösung.

Weitere Probleme beim zweiten Bauabschnitt

Weil dies noch dauert, wollen die Bahn und der Senat, wie berichtet, im Tunnel im Bereich der Invalidenstraße vor dem künftigen Bahnhof einen kurzen Behelfsbahnsteig bauen, an dem nur Züge mit maximal vier statt der möglichen acht halten könnten. Doch selbst für die Inbetriebnahme dieses Provisoriums gibt es noch keinen Termin.

Schwieriger als ursprünglich gedacht wird auch der Bau des zweiten Abschnitts bis zum Potsdamer Platz. Beim Bau der Regierungsgebäude hat man zwar den Platz für die S-Bahn berücksichtigt, doch jetzt reicht er nicht mehr aus. Weil damals der Tunnel nicht mitgebaut worden ist, muss er nun bergmännisch mit einer Tunnelbohrmaschine erstellt werden. Für diese ist der freigehaltene Platz in den Fundamenten aber zu schmal. Deshalb müssen zwei Röhren gebohrt werden, die westlich und östlich am Reichstagsgebäude vorbeiführen.

Züge auf dem Dach

Einfacher wird dafür nach derzeitigen Erkenntnissen der dritte Abschnitt sein. Südlich vom Potsdamer Platz gibt es bereits einen Tunnelstutzen aus dem vergangenen Jahrhundert. Und bei den zuletzt entstandenen Neubauten vor dem Landwehrkanal gibt es in den Gebäuden frei gehaltene Röhren für die Züge.

Im Parkhaus südlich vom Kanal (neben dem Park am Gleisdreieck) werden die oberen Etagen abgetragen, so dass die Züge auf der Decke des ersten Obergeschosses fahren können. Das Parkhaus schrumpft ohnehin auch in der Breite, weil auf der Westseite neue Gebäude entstehen sollen. Bei dem Projekt „Urbane Mitte“, das am Gleisdreieck sieben Hochhäuser vorsieht, wird die Trasse der S 21 freigehalten. Und weil der künftige Bahnhof Gleisdreieck der S-Bahn nur gleichzeitig mit den Hochhäusern gebaut werden kann, würde er schon jetzt mitgebaut und „zwischengenutzt.“

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