Nord-Süd-Tunnel der Berliner S-Bahn gesperrt : Ersatzhandlungen im Berufsverkehr

Bis Anfang Mai ist der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn zur Sanierung gesperrt. Im Berufsverkehr am Montagmorgen mussten Ersatzbusse und Ausweichrouten nun den Alltagstest bestehen. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung unserer Beobachtungen unter Pendlern.

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Schleichtempo: In der Yorckstraße ging es im Ersatzverkehr auch ohne Stau nur schleppend voran - wegen Straßenschäden sind dort nur 10 km/h erlaubt.
Schleichtempo: In der Yorckstraße ging es im Ersatzverkehr auch ohne Stau nur schleppend voran - wegen Straßenschäden sind dort...Foto: Ingo Salmen

"Das geht flott, flott vom Hocker hier", sagt Carla Senske. Kurz vor sieben am Montagmorgen vor dem Bahnhof Yorckstraße. Die Service-Mitarbeiterin lotst Pendler durch den Schienenersatzverkehr der S-Bahn. Auf der Linie Süd kreisen unentwegt Busse zwischen Friedrich- und Yorckstraße. Aussteigen können die Passagiere hier direkt vor den beiden Eingängen zu den unterschiedlichen Linien. Der zentrale Einstieg Richtung Mitte befindet sich gegenüber dem Baumarkt.

Große Tafeln weisen den Weg, teils dicht beschrieben zum Selbststudium, teils nur mit Pfeilen und knappen Instruktionen in Deutsch und Englisch versehen. Und dann gibt es ja auch noch die vier S-Bahn-Mitarbeiter in ihren orangefarbenen Westen.

Eine Frau will zum Südkreuz. "Da fährt die S-Bahn", erklärt ihr Bernd Timm. Sie läuft los. "S-Bahn ist da!" ruft Timm ihr hinterher und zeigt in die andere Richtung. "Ich weiß, aber ich will noch zum Bäcker", sagt die Frau. Soviel Zeit muss sein.

Alle drei Minuten kommt ein neuer Bus, manchmal treffen die Wagen gar direkt hintereinander ein. Schnellen Schrittes eilen die Pendler herbei, aber auch nicht hastiger als im Bahnbetrieb. Ein Mann aus Lichterfelde muss zum Tiergarten, die Aktentasche in der Hand. Früher aufgebrochen ist er nicht. "Ist ja nicht das erste Mal Schienenersatzverkehr." Es kommen immer mehr Pendler. "Einfach einsteigen!", ruft Helferin Senske. Im Firmenjargon heißen sie und ihre Kollegen "KIN-S": "Kundenbetreuer im Nahverkehr - S-Bahn". Das ist das Komplizierteste am frühen Morgen.

Die Blechkarawane schleppt sich stadteinwärts

Bald halb acht. Also los in Richtung Mitte. Auf der Yorckstraße geht es nur schleichend voran. Was allerdings nicht an den Tunnel-Bauarbeiten, sondern am maroden Asphalt liegt. Mit 10 km/h ist der Verkehr hier unterwegs - wenn sich alle daran halten.

Hilfe in Orange: An den Haltestellen des Ersatzverkehrs, wie hier am Montagmorgen in der Yorckstraße, hatte die S-Bahn zahlreiche Service-Mitarbeiter postiert.
Hilfe in Orange: An den Haltestellen des Ersatzverkehrs, wie hier am Montagmorgen in der Yorckstraße, hatte die S-Bahn zahlreiche...Foto: Ingo Salmen

Auf einer Sitzschale studiert eine Frau ihr Smartphone. Sie spricht auf Englisch einen Mitfahrer an, ob sie mit dieser Tour zum Brandenburger Tor kommt. "You're in the right bus", gibt der ihr zu verstehen. Die Frau stammt aus Russland, arbeitet hier, hat die S-Bahn in Schöneberg genommen. Als sie erfährt, dass sie bis Mai jeden Morgen so unterwegs sein wird, rollt sie mit den Augen.

Rote Ampeln, die Blechkarawane schleppt sich stadteinwärts, ein Laster lädt Dämmstoff ab. Stau in der Möckernstraße. Es soll 22 Minuten bis zur Friedrichstraße dauern. Nach 22 Minuten hat der Bus jedoch gerade einmal den Askanischen Platz erreicht. Der hilfsbereite Mann muss aussteigen, drückt der jungen Russin noch schnell die Fahrplaninformation in die Hand. "Vielleicht nehmen Sie nächstes Mal eine andere Route. An der Haltestelle steht auf einem Schild "Entwicklungsministerium".

Eigentlich wie immer. In Mitte ist nichts los. Über Wilhelmstraße und Behrenstraße kommt die Pendlerkutsche dann doch nach 31 Minuten am Tränenpalast an. "Gut gelaufen", meint der Fahrer. Berufsverkehr eben. Wer jetzt noch Richtung Gesundbrunnen und Humboldthain will, muss noch mal 300 Meter zu Fuß gehen und die Friedrichstraße überqueren. Am Weidendamm fährt die Linie Nord ab. Die S-Bahn rät ohnehin, die Innenstadt zu umfahren und die Ringbahn zu nutzen.

Nicht jeder hat Glück, zumal sich dann doch noch die Straßen rund um die Büros in Mitte füllen. "Fußgänger überholen den S-Bahn-Ersatzbus", twittert Spiegel-Online-Redakteurin Annett Meiritz um neun aus dem Stau in der Torstraße. "Berlin ist eben Vorreiter in Sachen Entschleunigung."

Manche kommen erst gar nicht so weit - ganz unabhängig von der Tunnelsperrung. Störungen an Zügen verursachen wiederholt Verspätungen auf den Linien S45, S46, S47, S8, S85 und S9 sowie in der Folge bei der S41 und der S42. Auch auf der Strecke der S7 sind Ausfälle zu beklagen, teilt die S-Bahn mit. Und am Nachmittag zieht bereits das nächste Unheil herauf: Wegen der "Bärgida"-Demo und den Protesten der Gegner sei mit weiteren Einschränkungen auf der Südlinie des Schienenersatzverkehrs zwischen Yorck- und Friedrichstraße zu rechnen, teilt die S-Bahn mit.

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