Berlin : Nordic Walking für die gute Prognose

In der Reha machen Darmkrebspatienten Krankengymnastik, erhalten Ernährungstipps – und lernen, mit einem künstlichen Darmausgang zu leben

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Bösartige Geschwulste im Darm werden oft operativ entfernt. Wozu ist nach einem solchen Eingriff eine Rehabilitation nötig?

Die Reha soll vor allem die direkten Folgen der Operation lindern und heilen, also etwa Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden durch die Bauchoperation. Außerdem werden oft die OP-Wunden weiterbehandelt. Aber es geht in der Reha nicht nur um die Behandlung des Körpers, sondern auch der Seele, die infolge des Krebses und auch der Behandlungsfolgen großen Belastungen ausgesetzt ist.

Wenn Tumoren im Enddarm oder in der Nähe des Schließmuskels entfernt werden, müssen die Chirurgen oft einen künstlichen Darmausgang (medizinisch Stoma genannt) legen. Was bedeutet das für die Reha?

„Die Patienten müssen den Umgang in der Selbstversorgung des Stoma erlernen, sie werden im selbstständigen Umgang mit dem künstlichen Darmausgang beraten und geschult“, sagt Dorothea Krahl, Chefärztin der Abteilung Onkologie der Klinik am See in Rüdersdorf, die in der Region die meisten Darmkrebspatienten rehabilitiert. Die Betroffenen üben in der Reha, im Alltag mit dem künstlichen Darmausgang zurechtzukommen. Dabei geht es um Antworten auf viele Fragen: Kann ich mit dem Stoma in Schwimmbad oder Sauna gehen und welche Vorkehrungen muss ich treffen? Was muss ich bedenken, wenn ich auf eine Feier gehe, wie gehe ich am Arbeitsplatz mit dem Stoma und dem Wechseln des Stomabeutels um oder was tue ich, wenn ich andere Aktivitäten ausführe, um möglichst uneingeschränkt alles tun zu können? Antworten darauf und vor allem die Sicherheit im Umgang mit dem künstlichen Darmausgang zu geben, das ist die Aufgabe der Reha.

Was geschieht bei der Rehabehandlung?

Wesentliche Bestandteile einer Anschlussheilbehandlung nach Darmkrebs sind Schmerztherapie, Bewegungs- und Krankengymnastik sowie die Linderung von Folgestörungen.

Mit unterschiedlichen körperlichen Trainingsmaßnahmen wird die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert. „Krebspatienten haben eine bessere Prognose zum Krankheitsverlauf, wenn sie körperlich aktiv sind“, sagt Chefärztin Krahl. Die Patienten können je nach ihrer körperlichen Verfassung an unterschiedlichen Trainingsangeboten teilnehmen, vom (wieder)erlernen des Treppensteigens, über Terraintraining und sportliche Gruppentherapien, speziellem Schließmuskeltraining bis hin zu Nordic Walking oder Laufband-/Ergometertraining.

Der Darm ist ein Verdauungsorgan. Dementsprechend spielt die Ernährungsberatung eine große Rolle in der Therapie. Gemeinsam mit Diätassistentinnen wird mit dem Patienten eine individuelle Ernährung besprochen und in der Lehrküche praktisch geübt. Die Rehabilitanden lernen, wie sich die unterschiedlichen Lebensmittel auf die Verdauungsbeschwerden auswirken und wie sie sich bewusst gesund und lecker ernähren.

Oft werden in der Reha die bereits im Krankenhaus begonnenen Chemotherapien zur Tumornachbehandlung fortgeführt und die damit verbundenen Beschwerden gelindert.

Und naturgemäß gehört auch Psychotherapie dazu: Denn die Hilfe beim Entwickeln von Bewältigungsstrategien sei eine wichtige Aufgabe der Rehabilitation, sagt Krahl. Daher stehe ein Team von Psychologen den Patienten zur Verfügung, um in Einzel- und Gruppengesprächen, oder auch im Erlernen von Entspannungstechniken Hilfestellung zu geben.

Was folgt nach der Reha?

Die Tätigkeit von Sozialarbeitern gewinnt in der Reha allgemein immer mehr an Bedeutung. Diese sind für das Überleitungsmanagement verantwortlich, also die Organisation der Rückkehr in den Alltag. Die Sozialarbeiter klären bereits während der Rehabilitation sozialrechtliche Fragen, nehmen Kontakt zu Ämtern auf, zum Beispiel um die stufenweise Wiedereingliederung in das Berufsleben zu koordinieren, und besprechen mit dem Arbeitgeber die Reintegration in den Beruf. Ingo Bach

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