Berlin : Nostalgie ist auch ein Geschmack

Nicholas Werner mag flüssiges Schwarzbrot

Jens Mühling

Russland ist in diesem Jahr bei der Grünen Woche das Partnerland. Täglich bis zum 22. Januar empfiehlt deshalb ein Kenner der russischen Küche, was man unbedingt probieren sollte.

Wenn sich in dieser Stadt jemand mit russischen Spezialitäten auskennt, dann ist es Nicholas Werner. Drei Supermärkte mit russischen Lebensmitteln unterhält der Unternehmer in Berlin, 20 weitere sind geplant. „Retro“ heißt die Kette, mit dem Zusatz „Der Geschmack der Nostalgie“. Die Zielgruppe sind jene 350 000 russischsprachigen Zuwanderer, die nach Werners Schätzung heute in Berlin leben und die heimische Küche vermissen. Auch deutsche Supermärkte in Berlin richten inzwischen russische Regale ein, auch sie werden von Werner beliefert. Ganz nebenbei hat der umtriebige 37-Jährige ein russischsprachiges Medienimperium aufgebaut, und auserwählte Gäste verblüfft er gerne mit seinen Kochkünsten – wer also wäre besser geeignet, uns ein russisches Gericht zu empfehlen? Aber Werner hält sich heute lieber an Flüssiges: „Ich empfehle Kwas, das russische Getränk Nummer eins – neben Wodka natürlich.“ Eine Art dunkle Limonade mit geringem Alkoholgehalt. Gemacht wird sie aus Schwarzbrot, das unter Zusatz von Hefe gegoren wird. In Russland ist das Getränk im Sommer omnipräsent: Überall stehen dann kleine Tankwagen, aus denen Kwas direkt in Becher gezapft wird. Dass das Getränk so beliebt ist, findet Werner überhaupt nicht erstaunlich: „Es ist ein echtes, natürliches, lebendiges Getränk – nicht so ein Kunstprodukt wie Cola.“ Man könnte glatt nostalgisch werden. Wenn Nicholas Werner den Kwas nicht längst nach Berlin geholt hätte.

Läden der Lebensmittelkette „Retro“ gibt es in Wilmersdorf (Bundesplatz 12a), in Spandau (Magistratsweg 56) und in Marienfelde (Großbeerenstraße 192).

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