Berlin : Not auf höchstem Niveau

Das Luxushotel Four Seasons hat seit August kaum Miete gezahlt – jetzt soll ein neues Konzept her

Sigrid Kneist

Die Situation auf dem umkämpften Berliner Hotelmarkt verschärft sich. Das Fünf-Sterne-Haus Four Seasons am Gendarmenmarkt hat offenbar Probleme. Das Hotel habe seit August 2003 kaum Miete gezahlt, hieß es von Seiten der Eigentümerin des Gebäudes. Das Haus gehört der Hamburger Immobilienfondsgesellschaft HGA Capital. HGA-Sprecherin Claudia Kruse-Madsen sagte, die Fondsgesellschaft habe dem Hotel bis jetzt vier Millionen Euro gestundet. Die vertragliche Frist, in der Mietzahlungen gestundet würden, sei aber abgelaufen. Auch seien die Mietgarantien in Höhe von zehn Millionen Euro der Muttergesellschaft Four Seasons Hotels Limited seit Juli 2003 verbraucht. Die Anleger in dem Immobilienfonds mussten im vergangenen Jahr auf Ausschüttungen verzichten. Gemeinsam werde jetzt über ein neues Konzept verhandelt.

„Die Auslastung des Hotels ist unterdurchschnittlich“, sagte Kruse-Madsen zu den Schwierigkeiten des Four Seasons. Hotel-Direktor Stefan Simkovics sagte demgegenüber, man sei angesichts der derzeitigen Lage in Berlin mit den Resultaten durchaus zufrieden, diese reichten jedoch nicht aus, die Besitzer zufrieden zu stellen. Das Four Seasons wolle aber gerne an diesem Standort bleiben.

Hanns Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing Gesellschaft (BTM), zeigte sich verwundert darüber, dass die Fondsgesellschaft die Probleme des Hotels öffentlich macht. „Das Four Seasons ist ein absoluter Gewinn und eine gute Werbung für die Stadt“, sagte Nerger. Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes und Direktor des Adlon, Jean van Daalen, möchte in dem Fall kein Indiz für eine Krise bei den Berliner Luxushotels sehen. Die Umsatzrückgänge der vergangenen Jahre seien zwar noch nicht ausgeglichen, aber auch im Luxussegment habe es Zuwächse gegeben. „Diese fallen aber geringer aus als in der Drei- oder Vier-Sterne-Kategorie“, sagte van Daalen. Er glaube nicht, dass es zu viele Häuser in den Kategorien „Fünf Sterne“ und „Fünf Sterne plus“ in der Stadt gebe.

Erst Anfang des Jahres hatten am Potsdamer Platz das Ritz Carlton und das Marriott Hotel eröffnet, kurz darauf das Dom-Aquarée Unter den Linden. Nach BTM-Angaben gibt es zwölf Häuser mit 6410 Betten in der Fünf-Sterne-Kategorie und acht Hotels mit 4775 Betten in der höchsten Klasse Fünf Sterne Plus. Weitere Hotels sind in Planung.

In den vergangenen zwölf Jahren haben sich die Hotelkapazitäten mehr als verdoppelt. Zuwächse gab es vor allem bei den Vier-Sterne-Häusern. Nach Auffassung von BTM-Chef Nerger hat die Entwicklung auch zu einem „zum Teil ruinösen Preiskampf“ der Hoteliers geführt. BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki sagte, in Berlin lägen die durchschnittlichen Zimmerpreise in einem Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel bei 130 Euro. In Barcelona zahle man 190 Euro, in Paris 212 Euro oder in London gar 300 Euro.

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