Berlin : Not mit Noten: Symphoniker haben kein Geld und geben auf

Frederik Hanssen

Sie haben wirklich alles versucht, sie haben gekämpft bis zuletzt – und doch verloren. Am Sonntag wird es das definitiv letzte Konzert der Berliner Symphoniker geben. Gut ein Jahr, nachdem das Abgeordnetenhaus beschlossen hatte, dem Orchester die staatlichen Zuschüsse zu streichen, vier Monate, nachdem die 55 Musiker sich als gemeinnützige GmbH neu gegründet hatten.

An der Spitze des Ensembles stand seit Dezember Andreas Moritz, ein studierter Trompeter. Sein Plan: Ein großes Wirtschaftsunternehmen sollte sich der Symphoniker als Hauptsponsor annehmen. Dafür wären die bereit gewesen, den Namen des Geldgebers im Titel zu führen. „Jede Woche erklärten mir Leute, dass es Quatsch ist, was ich probiere“, sagte Moritz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Doch ich muss auf volles Risiko gehen. Nur dann bin ich glaubwürdig, nur das überzeugt den potenziellen Partner.“ Ein riskantes Unterfangen – schließlich ist so ein Coup bislang nur dem Vermarktungsgenie Justus Frantz gelungen.

Trotzdem glaubte Moritz, kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Ende des Monats hatte er einen viel versprechenden Termin mit einem international tätigen Konzern. Um bis zu diesem Datum finanziell durchhalten zu können, brauchte das Orchester aber 80000 Euro, die Moritz als Projektmittel beim Kultursenator beantragte. Doch mehr als 25000 Euro konnte Thomas Flierl den Symphonikern nicht bieten. „Damit wurde die Möglichkeit, ein neues Finanzierungsmodell im Musikbereich zu entwickeln, fahrlässig zerstört“, sagt der Orchestermanager.

Die eingeworbenen Spenden hätten nicht ausgereicht, um den Spielbetrieb fortzuführen, teilte der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma mit. Man verwahre die Spendengelder auf einem Treuhandkonto. „Wir werden hierzu alle Spender anschreiben.“

Am Sonntag um 16 Uhr in der Philharmonie werden die Musiker ihr Können noch einmal unter Beweis stellen, mit Klassik-Hits wie Dvoraks Sinfonie „Aus der neuen Welt“ und Tschaikowskys Violinkonzert. Danach bleibt den Instrumentalisten nur die Arbeitslosigkeit. „Auch die Kinder- und Jungendarbeit der Berliner Symphoniker ist damit unwiderruflich zerstört“, sagt Moritz. „Es ist eine Katastrophe!“

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