Berlin : Notruf aus der U-Bahn: Dealer werden immer frecher

Sollen Polizisten wieder mit BVG-Mitarbeitern auf Streife gehen? Ein Pro & Contra

Klaus Kurpjuweit

Drei Jahre lang waren sie ein gewohntes Bild in U-Bahnhöfen und Zügen. Doch seit dem Sommer ist Schluss mit den gemeinsamen Streifen von Polizisten und BVG-Mitarbeitern. Nach internen Angaben des Verkehrsbetriebs hat der Rückzug der Polizei zu einer Zunahme des Drogenhandels auf den Stationen geführt. Dabei attackierten die Dealer zunehmend verbal Fahrgäste, vor allem Frauen. BVG-Mitarbeitern werde ins Gesicht gesagt, dass sie auf den Bahnhöfen nichts zu suchen haben. Es fehle der Respekt, den zuvor die Präsenz der Polizei hervorgerufen habe, heißt es bei der BVG.

Doch auch der Verkehrsbetrieb selbst hat das Auftreten seines Sicherheitsdienstes reduziert. Der Vertrag mit der Wachschutzfirma IHS ist nicht verlängert worden. Deren Mitarbeiter waren zu zweit unterwegs und hatten meist einen Hund dabei. Heute legt die BVG mehr Wert auf die Kontrollen von Schwarzfahrern, die zum größten Teil von privaten Firmen vorgenommen werden. Sie müssen eine vorgeschriebene Quote von kontrollierten Personen erreichen. Dafür gibt es bei ihnen weniger Streifen, die auf Stationen oder in Zügen nach dem Rechten sehen.

Auch die Zahl der eigenen Mitarbeiter im Kontrolldienst hat die BVG nach dem Abzug der Polizei nicht erhöht. Dabei gibt es in der Verwaltung, die der Vorstand verkleinern will, einen großen Überhang. Auch der Personalrat der BVG fordert nach Angaben seines Vorsitzenden Uwe Nitzgen, dass der Kontrolldienst mit eigenen Leuten verstärkt wird.

Doch die Präsenz von eigenen Mitarbeitern und Wachleuten löse das Problem nicht, argumentieren Experten der BVG. Die BVG-Mitarbeiter sind nicht bewaffnet, die Wachleute haben wenigstens oft einen Hund dabei, der im Einsatz einen Maulkorb tragen muss. Mehr als einen Hausverweis aussprechen können die Mitarbeiter aber nicht. Ausweiskontrollen dürfen nur Polizisten vornehmen. Auf deren Eintreffen müsse man aber oft lange warten, heißt es bei der BVG. Als die Streifen noch in Bahnhöfen und Zügen unterwegs waren, habe es durchschnittlich nur acht Minuten gedauert, bis sie nach einem Notruf zum Einsatzort kamen. Heute müsse man meist viel länger darauf warten.

Offiziell begründet die Polizei ihren Rückzug aus den U-Bahnen mit einem neuen Einsatzkonzept. Kontrollen gebe es nun zielgerichtet und schwerpunktmäßig. 468 waren es seit dem Auflösen des „Einsatzkommandos BVG“ Anfang Juli. Doch Personalrats-Chef Nitzgen bleibt dabei: „Die gemeinsamen Streifen von BVG und Polizei sind durch nichts zu ersetzen.“

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