Berlin : Notruf gegen Graffiti

Deutsche Bahn und Bundespolizei starten mit der BVG neue Kampagne gegen Vandalismus

T. Buntrock,K. Kurpjuweit

Mit einer neuen Kampagne „Vandalismus ausbremsen“ wollen der Bahn-Konzern, zu der auch die S-Bahn gehört, und die Bundespolizei sowie die BVG künftig noch stärker gegen Sachbeschädigungen vorgehen. Fahrgäste sollen nicht wegsehen, wenn Vandalen und Farbschmierer die Fahrzeuge zerstören. Weil sich aber niemand in Gefahr bringen solle, raten die Verkehrsbetriebe, Vorfälle telefonisch zu melden.

Rund um die Uhr erreicht man die Bundespolizei, die für die Anlagen der Bahn zuständig ist, unter 0180 5 234566. Der Anruf kostet 14 Cent pro Minute. „Das ist optimierungsfähig“, sagte Bundespolizei-Präsident Klaus Kandt gestern. Man bemühe sich aber, bald eine kostenfreie Nummer anzubieten. Bei der BVG können Vorfälle ebenfalls 24 Stunden lang zu Festnetzkonditionen unter der Nummer 256 23 256 gemeldet werden. Führe der Anruf dazu, dass Täter ermittelt werden, erhielten die Anrufer bis zu 600 Euro als Belohnung, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bisher seien solche Hinweise aber selten. „Leider bekommen wir nur in fünf Prozent der Vorfälle Hinweise, wenn es um Graffiti und Vandalismus geht“, bestätigte ein Bahnsprecher.

Ebenfalls zur Kampagne gehört eine Broschüre („Ihre Waffe gegen Vandalismus“), die künftig bundesweit in verschiedenen Großstädten (unter anderem in Bremen, Leipzig, Frankfurt am Main) an Bahnhöfen verteilt wird. Hier wird auch auf die finanziellen Folgen hingewiesen. Die Deutsche Bahn AG gibt ihren Schaden mit jährlich etwa 50 Millionen Euro an – 46 000 Fälle von Vandalismus wurden im vergangenen Jahr bundesweit angezeigt. Allein in Berlin hat die Bundespolizei im vorigen Jahr 5000 Vandalismus- und Graffiti-Straftaten gezählt. Die S-Bahn musste 5,7 Millionen Euro aufwenden, um die Schäden wieder zu beseitigen. „Das war so viel wie noch nie zuvor“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Tobias Heinemann. Damit könne man 322 neue Lehrstellen bei der S-Bahn schaffen, hieß es.

Jedes kaputte Fenster in einem Waggon koste 600 Euro – dafür wiederum könne man 265 Schülertickets (Tarifzone AB) kaufen. Auch die Farbschmierereien mit Edding-Stiften seien enorm schwierig zu beseitigen. Bis zu 300 Euro kann das Entfernen kosten. Die BVG bringt nach eigenen Angaben jährlich rund acht Millionen Euro auf, um Vandalismusschäden zu beseitigen.

Zerborstene Scheiben, deren Splitter sich auf dem Boden wie ein kleiner Teppich ausbreiten, bunte Graffiti-Schriftzüge außen am Waggon – und dann hat auch noch jemand das Pulver aus einem Feuerlöscher versprüht, so dass die Sitzbänke eingeschäumt sind. Einen solchen S-Bahn-Zug präsentierte die Deutsche Bahn gestern zusammen mit der Bundespolizei am Potsdamer Platz. „Das ist Alltag. So sehen die Züge abends oft aus, wenn sie in Abstellanlagen gefahren werden“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Die Reinigung der Züge sei sehr aufwendig. „Das kann man nicht einfach am Bahnhof machen. Wegen der Giftstoffe“, sagte ein Bahn-Mitarbeiter. Die Züge müssten dazu in die Werkstatt gefahren werden. Dort machten sich dann zwei bis drei Arbeiter mit Luftdruckreinigern und Schutzmasken ans Werk, um die Schmierereien zu beseitigen. Das Ganze nehme einen kompletten Tag in Anspruch und koste bis zu 15 000 Euro.

1 Kommentar

Neuester Kommentar