Notunterkunft Berlin-Tempelhof : Flüchtlinge duschen im Columbiabad

1200 Asylsuchende sollen in Tempelhof unterkommen und im Columbiabad duschen. Die Details stehen fest. Ein Ortstermin.

Nándor Hulverscheidt
Zwei junge Männer beobachten am 23.07.2014 im Sommerbad Pankow in Berlin das Treiben am Sprungturm. Seit vier Jahren helfen Konfliktlotsen von "Bleib cool am Pool" im Columbiabad Neukölln dabei, kleinere Streitigkeiten friedlich zu lösen.
Zwei junge Männer beobachten am 23.07.2014 im Sommerbad Pankow in Berlin das Treiben am Sprungturm. Seit vier Jahren helfen...Foto: Rainer Jensen / dpa

Eigentlich ist das Schwimmbad am Columbiadamm nicht mehr in Betrieb - Winterzeit. Und doch ist in diesen Tagen alles anders. Das Columbiabad bleibt offen, es wird als Flüchtlingsunterkunft genutzt, oder besser: als große Duschanlage für die 1200 Flüchtlinge, die nicht weit entfernt im Flughafen Tempelhof einziehen werden.

Montagmorgen, ein Besuch im Schwimmbad. Insgesamt 32 Duschen werden für die Flüchtlinge zur Verfügung stehen. Eine Hälfte für Männer, eine Hälfte für Frauen. "Geplant ist, dass die Flüchtlinge vormittags in Begleitung herkommen und dann bis etwa 12 Uhr Duschen und Toiletten nutzen können", sagt Bädermanager Hendrik Bielka.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Koordinierungsstab der Stadt die konkrete Anfrage zur Nutzung des Columbiabades gestellt, woraufhin die Sanitäranlagen zum Abtöten von Keimen heiß durchgespült wurden. Die Desinfizierung sei mittlerweile abgeschlossen, man warte nur noch auf das Signal der Senatsverwaltung.

Warmes Wasser - aber die Räume können nicht beheizt werden

Shuttlebusse sollen die Flüchtlinge täglich von den Hangars des stillgelegten Flughafens zum Columbiabad bringen. Damit sie nicht mit kaltem Wasser Duschen müssen, laufen die Maschinen dort erstmal weiter, statt wie üblich in den kalten Monaten stillgelegt zu werden. Da die Räume nicht direkt beheizt werden können, ist laut Bielka der Einsatz von mobilen Aggregaten wahrscheinlich. Wie viel der außerplanmäßige Betrieb der Anlage kostet, werde sich erst im Laufe der Nutzung herausstellen.

Fest steht, dass zwei Techniker der Bäderbetriebe zu den Duschzeiten anwesend sein werden, um den Betrieb zu ermöglichen. Normalerweise arbeiten die Beschäftigten der Sommerbäder in der kalten Saison in den Hallenbädern - Bielka spricht von einem personellen Spagat. Man habe den urlaubsreifen Kollegen gut zureden müssen - die Sommersaison im Columbiabad ist Berlinweit für Krawalle bekannt.

Neben dem Neuköllner Bad sind auch andere geschlossene Anlagen gereinigt worden. Das sei aber eine Vorsichtsmaßnahme, um im Notfall schnell handeln zu können, betont Bielka.

Noch bauen in Tempelhof dutzende Arbeiter die Anlagen des Lollapalooza-Festivals ab. Wie berichtet, bleiben die Toiletten jedoch dort - neben Dixiklos steht auf dem Gelände eine große Zahl solider Container bereit. Zudem scheint es so gut wie sicher, dass Klaus Keese, der ehemalige Polizeichef der Direktion 1 (Reinickendorf und Pankow), das Kommando am Platz der Luftbrücke übernehmen wird.

Die ersten der bis zu 1200 Flüchtlinge würden weder am Montag noch Dienstag, jedoch zeitnah einziehen, heißt es von der Senatsverwaltung. Momentan ist das Amt noch mit der Prüfung des Flughafengebäudes befasst, was sowohl Sicherheitsfragen als auch die Versorgung mit Strom und Frischwasser betrifft. Zudem muss ein Konzept für die Wintermonate her: Die gigantischen, zugigen Hallen komplett zu heizen ist unrealistisch, weshalb in den Hangars Traglufthallen aufgebaut werden sollen.

Alltag im Flüchtlingsheim
Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet sich im Hintergrund. Im Februar hat die deutsch-schweizerische Künstlerin Barbara Caveng in einem Heim für Asylsuchende in Spandau ein Kunstprojekt begonnen. Beim "Kunstasyl" entscheiden die Bewohner mit den Künstlern gemeinsam, was sie tun wollen, um das Heim zu einer Heimat zu machen - und sei es auf Zeit. Ein Teil der Fotos von Till Rimmele sind am 23. Juli 2015 auch in einem vierseitigen Dossier zum Thema im gedruckten Tagesspiegel erschienen, oder nachzulesen im E-Paper.Weitere Bilder anzeigen
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23.07.2015 00:02Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet...
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