Berlin : NPD-Demo: Die aktuelle Frage an Andreas Nachama

Herr Nachama[Neona],was löst die Vorstellung[Neona]

Andreas Nachama (50), ist Historiker und war bis Mai 2001 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Mit ihm sprach Barbara Junge.

Herr Nachama, was löst die Vorstellung, Neonazis zögen durch die Oranienburgerstraße, bei den jüdischen Bürgern aus?

Die Menschen äußern Unverständnis und auch Angst. Sie sind besorgt, denn ein solcher Marsch wäre eine neue Dimension. Es kann doch nicht sein, dass an einem Ort, an dem die jüdische Gemeinde Woche für Woche Gottesdienste abhält, auch noch am Sabbat, auf einmal eine Truppe von Neonazis daherkommt, um zu stören.

Und was empfinden Sie bei dem Gedanken?

Mich bedrückt nicht nur die Demonstration. Auch der Umgang mit dem Aufmarsch erreicht hier meines Erachtens eine neue Dimension. Dieser Umgang zeigt, dass die durchaus gegebenen Möglichkeiten im Demonstrationsrecht nicht ausgeschöpft werden. Vor einer Kirche kann man nicht demonstrieren, wenn damit die Ruhe derenigen, die dort beten, gestört wird. Eine Entscheidung der Instanzen, die das Demonstrationsrecht verteidigen sollen, hätte in diesem Sinne längst fallen müssen.

Wäre es weniger schlimm, würden die Neonazis durch ein Neubauviertel ziehen?

Bei einer schlechten Sache gibt es kein weniger und kein mehr. Es ist für mich schlimm genug, wenn diese Rechtsextremen marschieren. Aber es ist völlig unverständlich, dass bei solch einem provokanten Weg dieser dann auch zugelassen wurde.

Werden Sie auf jeden Fall demonstrieren?

Völlig unabhängig davon, ob eine Route durch das Brandenburger Tor oder an einer Synagoge vorbeiführt, habe ich mich immer gegen die Aktivitäten der NPD engagiert. Ich werde auch diesmal da sein. Insbesondere aber will ich da sein, sollte die Demonstration durch die Oranienburger Straße führen - schon aus Solidarität mit denjenigen, die dort beten.

Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben angekündigt, sich notfalls von der Polizei wegtragen zu lassen. Damit wollen sie den öffentlichen Druck erhöhen.

Ich denke, die Politik ist ausreichend sensibilisiert. Nur die Richter nicht. Diese wenden die Möglichkeiten, die ihnen das Gesetz gibt, nicht an. Die jetzt entstandene Eskalation müsste es doch überhaupt nicht geben. Noch einmal: das Demonstrationsrecht birgt die Möglichkeit, diese Demonstration an diesem Ort zu verhindern.

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