NPD in Köpenick : Parolen im Hinterhof

Die NPD feiert in Köpenick ein bizarres Hoffest - und protestierende Linke geraten mit der Polizei aneinander. Grundsätzlich blieb es jedoch friedlicher als erwartet.

Frank Jansen
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Stress im S-Bahnhof. In Köpenick gerieten Polizisten und autonome Demonstranten, die gegen die Maifeier der NPD protestierten,...

Der Hof der NPD-Zentrale in Köpenick ist rappelvoll, Jungglatzen und ältere Funktionäre drängen sich an diesem Freitagmittag auf Bierbänken und an Stehtischen. Auf einem Grill brutzelt Schweinebraten, unter Partyzelten sind Tische mit Propagandamaterial aufgebaut. Da stapeln sich Flyer mit der Parole „Kauft deutsche Produkte!“, in der Mitte steht eine schwarz-weiß-rote Stammtischfahne mit NPD-Logo. Einen Tisch weiter liegen Packungen mit Modellbausätzen von Kriegsschiffen – erstaunlicherweise solche der Alliierten. Für den nationalen Nachwuchs wurde zudem eine Hüpfburg aufgebaut, zwei Jungs üben Umschmeißen mit Judogriff.

Robust begegnen die rund 280 Rechtsextremisten auf der öffentlichen Maifeier der NPD auch den Journalisten. Ein Kamerateam wird mit Bier bespritzt und angespuckt, ein Reporter wird „Lügner“ gerufen. Die Sonne steht hoch, die Medienleute schwitzen Backe an Backe mit leicht gebräunten Kerndeutschen – und mit Polizisten in schwerem Dress, die auch in den Hof hineingegangen sind. Das dämpft die handfeste Pressephobie der Rechten.

Der Beitrag der NPD zum Maifeiertag in Berlin bleibt dieses Jahr mager. Die durch Finanzchaos und internen Streit geschwächte Partei hat auf einen Marsch in der „Reichshauptstadt“ verzichtet. Und im Hof der Zentrale in der Seelenbinderstraße werden kaum zündende Reden gehalten. Nur der stämmige Eckart Bräuniger, Generalsekretär und Ex-Kroatienkämpfer, redet sich heiser und reißt die Menge mit. „Es wäre doch gelacht, wenn das Deutschtum und das Germanentum nach 2000 Jahren ein Ende finden würden“, ruft er, „das wird in 10 000 Jahren der Fall sein“. Kräftiger Beifall.

So lange wollen die 2000 Nazi-Gegner nicht warten. Sie haben sich am nahen S-Bahnhof Köpenick versammelt, es wehen die Fahnen der Linkspartei, der Grünen und der Antifa. Auf dem Bahnsteig gibt es Ärger mit der Polizei, die zu verhindern sucht, dass die mit der S-Bahn angereisten jungen Linken sich auf den Boden setzen. Die Antifas wollen den nächsten Zug empfangen, in dem Nazi-Fahrgäste vermutet werden. Bundespolizisten und Berliner Beamte reißen die untergehakten Linken auseinander und treiben die schreienden Leute die Treppe hinunter. 30 Personen werden vorläufig festgenommen. Der S-Bahn-Verkehr ist unterbrochen, zumal laut Polizei auf Gleisen in Treptow brennende Reifen liegen.

Unterdessen hat Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) vom Rednerpult auf einer Lkw-Ladefläche die NPD verdammt: „ Sie versucht, aus Elend Honig zu saugen“, das sei „zynisch und gefährlich“. Kajo Wasserhövel, Bundesgeschäftsführer der SPD und bei der Bundestagswahl Direktkandidat in Treptow-Köpenick, nennt es „pervers“, dass die NPD am Tag der Arbeit aufmarschiert, weil die Nazis „beispiellos in der Geschichte Arbeiter entrechtet haben“. An die NPD selbst kommen die Linken nicht heran, die Polizei schirmt die Zentrale massiv ab.

Was war noch? Ein Skinhead zeigt von einem Balkon in der Puchanstraße den Hitlergruß. Die Linken unten reagieren prompt: Steine zertrümmern zwei Fenster der Wohnung. Die Polizei nimmt den Mann fest. Frank Jansen

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