NS-Verbrechen : 88-Jähriger erhält Doktortitel verspätet

Seine Dissertation durfte Dimitri Stein wegen seiner jüdischen Wurzeln 1943 nicht einreichen. Die Arbeit ist zwar leider verloren gegangen, verteidigen konnte er sie trotzdem. Jetzt bekommt er seinen Doktortitel- mit 66 Jahren Verspätung.

Dimitri Stein
Dimitri Stein freut sich gemeinsam mit seiner Gattin über den neu errungenen Titel "Dr. Ing.".-Foto: ddp.

Nach 65 Jahren hat die Technische Universität (TU) Berlin einem ehemaligen Studenten den in der NS-Zeit verweigerten Doktortitel verliehen. Der 88-jährige Dimitri Stein habe in der vergangenen Woche in Berlin seine Promotion abgeschlossen, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" unter Berufung auf eine Mitteilung der TU. Im September 1943 hatte er laut TU seine Dissertation eingereicht und die Zulassung zum Promotionsverfahren beantragt. Weil der Kandidat aus einer jüdischen Familie kam, wurde ihm damals die Zulassung verweigert.

Stein überlebte den Angaben zufolge die Nazizeit, weil er von seinem Doktorvater versteckt wurde. Nach dem Krieg wanderte er in die USA aus, wo er eine Karriere als Hochschullehrer, Ingenieur und Unternehmer machte.

Verteidigung nach damaligem Stand der Wissenschaft

In den 50er Jahren sei Steins Anfrage, ob er die Doktorprüfung nachholen könne, von der Technischen Universität Berlin schroff abgewiesen worden, hieß es weiter. Laut Hochschule erfuhr die Fakultät Elektrotechnik und Informatik Anfang 2008 aus dem Freundeskreis Steins von diesen "beschämenden Vorfällen". Er erhielt daraufhin einen Brief, in dem ihm laut Zeitung "als Reaktion auf das zugefügte Unrecht", die Zulassung zur Promotion, eine Prüfung der Arbeit und "bei positivem Verlauf die Promotion zum Dr.-Ing" eingeräumt wurde.

Nach Angaben der Universität verteidigte der heute 88-Jährige am 12. November noch einmal seine Doktorarbeit - entsprechend dem damaligen Stand der Wissenschaft. Seine Dissertation ist verloren gegangen, ihr wesentlicher Inhalt war aber in einer Fachzeitschrift erhalten geblieben. Im Anschluss an die Aussprache überreichte der TU-Präsident Kurt Kutzler in einer kleinen Feierstunde die Promotionsurkunde. (bvdw/ddp)

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