Berlin : Null Toleranz in der Hasenheide?

Werner van Bebber

Die Hasenheide mit ihren Dealern und anderen Kriminellen ist das Ergebnis eines sozialpolitischen Großversuchs. Er läuft unter der Überschrift „Lasst sie doch machen“. Die These lautet: Auch Dealer brauchen einen Arbeitsplatz. Drumherum hat sich das kriminelle Umfeld bestens entwickelt nach dem Gesetz: Wo etwas kaputt ist, geht bald noch mehr kaputt. Am Ende ist ein Polizist erschossen worden. Auch im nicht weit entfernten Rollbergkiez hat in den vergangenen Jahren ein sozialer Großversuch stattgefunden, dessen Grundgesetz dem der Hasenheide fundamental widerspricht. Es lautet: Die Polizei nimmt jeden Vorfall, jede Anzeige ernst. Wenn es Ärger gibt, kommen die Uniformierten, garantiert und schnell. Quartiersmanager und Polizisten des Abschnitts haben gezeigt, dass zur Sozialarbeit auch Repression gehört. Quartiersmanager, Sozialarbeiter und Polizisten haben sofort repariert, was kaputtging. Auch im Rollbergviertel ist – während des Großversuchs – ein Polizist erschossen worden. Ist also entschiedenes polizeiliches Einschreiten sinnlos? Das Gegenteil trifft zu: Es kann nicht früh genug beginnen.

Ein schöner Ort ist die Hasenheide nicht. Auch andere Viertel, in denen Armut oder Drogenhandel das Bild beherrschen, sind keine Zierde. Das darf man beklagen und sollte nicht aufhören, nach Abhilfen zu suchen. Wer sich aber der Illusion hingibt, mit noch härterem Auftreten der Polizei lassen sich solche Schandflecken beseitigen, der macht sich etwas vor. Unangenehme Orte wie die Hasenheide gehören nun mal zu einer Metropole dazu, eine Null-Toleranz-Politik verschiebt das Problem nur von einem Viertel ins nächste. Rechtlose Räume darf es trotzdem nicht geben. Selbstverständlich hat jeder Bürger einen Anspruch darauf, nirgendwo um sein Wohlergehen fürchten zu müssen. Aber seien wir doch mal ehrlich: Die Gefahr, in der Hasenheide überfallen zu werden, ist statistisch gesehen nicht höher als in fast jedem anderen Teil der Stadt. Wer die Kriminalitätsstatistik Berlins mit anderen Großstädten vergleicht, darf sich relativ sicher fühlen. Und wer mal im Sommer mit dem Picknickkorb in der Hasenheide war, kann über Panikmache nur schmunzeln. Auch der Polizistenmord an der Hasenheide widerlegt dies nicht: Die Schüsse hätten überall fallen können. Lars von Törne

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