• Nun muss der 18-Jährige Köpenicker in der Jugendstrafanstalt auf seinen Prozess warten

Berlin : Nun muss der 18-Jährige Köpenicker in der Jugendstrafanstalt auf seinen Prozess warten

Katja Füchsel

Marcel W. kann es nicht lassen. Nach nur drei Wochen Enthaltsamkeit ist der 18-Jährige Mittwochnacht erneut hinter dem Steuer eines gestohlenen Busses erwischt worden. Gegen 17.30 Uhr war der junge Köpenicker auf einem Parkplatz in Alt-Kaulsdorf auf den Fahrersitz geklettert, rund vier Stunden später stoppte ihn eine Funkstreife. "Ein Blick auf den Kilometerzähler ergab, dass der Bus 235 Kilometer mehr auf dem Tacho hatte", sagt ein Polizeisprecher. Am Mittwoch wurde Marcel W. dem Haftrichter vorgeführt.

Wieder einmal. Das letzte Mal stand der Köpenicker vor drei Wochen vor einem Haftrichter, ebenfalls weil er einen Bus gestohlen hatte. Pikanterweise war der 18-Jährige mit dem Gefährt quer durch die Berliner Innenstadt bis vor das Amtsgericht Tiergarten gefahren: Er hatte hier am 29. März einen Termin vor dem Verkehrsgericht - wegen Fahrens ohne Führerschein und Fahrerflucht. Bevor der Prozess beginnen konnte, wurde der Köpenicker im Gerichtssaal festgenommen, später aber vom Haftrichter wieder nach Hause geschickt. Der 18-Jährige durfte im Elternhaus auf seinen Prozess erwarten.

Soviel Geduld konnte Marcel W. offenbar nicht aufbringen. Der Bus, den er sich Mittwoch auf dem Gelände eines Hellersdorfer Verkehrsunternehmens aussuchte, wird tagsüber als Schulbus und nachts als BVG-Bus der Linie N 64 eingesetzt. Als der Fahrer aber gegen 21 Uhr seinen Dienst antreten wollte, stand er vor einer leeren Parklücke und alarmierte den 21-jährigen Sohn des Firmeninhabers. Dem Mann muss die Nachricht irgendwie bekannt vorgekommen sein: Marcel W. hatte bereits am 16. Februar und am 3. März auf dem Gelände einen Bus geklaut. Wie er das jedes Mal anstellte, will die Polizei nicht verraten. "Kurz geschlossen wurden die Fahrzeuge nicht."

Nach der Diebstahlsmeldung setzte sich der bereits Verdacht schöpfende Firmenjunior ins Auto und hielt bei einer Rundfahrt durch Köpenick nach Marcel W. und seinem Bus Ausschau. In der Glienicker Straße sah er dann beide bei Rot über die Kreuzung rasen, benachrichtigte mit seinem Handy die Polizei und nahm selbst die Verfolgung auf. Gegen 22.45 Uhr stellte die Polizei den jugendlichen Serientäter an der Bahnhof-/ Ecke Lindenstraße.

Zum ersten Mal ist Marcel W. mit 15 Jahren hinter dem Steuer eines Busses erwischt worden, doch von seiner Leidenschaft kann ihn das nicht abbringen. Deshalb wird die Lage allmählich undurchsichtig. Seinen Haftbefehl hat Marcel W. jetzt jedenfalls in dem Verfahren wegen Fahrens ohne Führerschein und Fahrerflucht im Oktober 1999 bekommen, das vor drei Wochen durch die Festnahme im Gerichtssaal so jäh unterbrochen wurde. Weil doppelt genäht aber bekanntlich besser hält, will der Staatsanwalt auch die Haftverschonung für die Fahrt zum Gericht Ende März aufheben lassen. Parallel dazu laufen derzeit noch zwei weitere Verfahren. Ihren Ausgang muss der 18-Jährige nun aber im Gefängnis erwarten.

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