Berlin : Nun will ein Schwabe den Spreepark übernehmen

Claudia Keller / Steffi Bey

Eine Woche, nachdem bekannt geworden ist, dass sich Spreepark-Betreiber Norbert Witte mit seiner Familie und etlichen Fuhrgeschäften nach Peru abgesetzt hat, wurde der Gläubigerbank gestern ein neuer Investor vorgestellt. "Bisher weiß aber nur die Bank den Namen des Schaustellers aus dem Schwabenland", sagte Holger Lippmann, der Geschäftsführer des Berliner Liegenschaftsfonds. Wie berichtet, verwaltet der Liegenschaftsfonds den Erbbaupachtvertrag, den das Land Berlin 1997 mit der Spreepark-GmbH über das Grundstück im Plänterwald abgeschlossen hat. Lippmann geht davon aus, dass der potenzielle neue Betreiber bis Ende der Woche zusammen mit der Bank ein detailliertes Nutzungskonzept für einen "Themenpark auf kleinerer Fläche" vorlegt.

Der Liegenschaftsfonds, ebenso wie die Bank und der Bezirk sind an einer Einigung mit dem neuen Investor interessiert. "Wir wollen unbedingt den Spreepark erhalten und auch die Bedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb verbessern", betonte Klaus Ulbricht (SPD), Bürgermeister von Treptow-Köpenick. Norbert Witte hatte in der Vergangenheit mehrfach dem Bezirk und dem Senat vorgeworfen, nicht die notwendigen Rahmenbedingungen für ein ökonomisches Wirtschaften geschaffen zu haben, indem sie die Anlage von mehr als 500 Parkplätzen ablehnten. Bürgermeister Ulbricht will jetzt erneut prüfen lassen, wie viele Parkplätze und Zufahrten zum Freizeitpark möglich sind und einen neuen Bebauungsplan erstellen.

Die Treptow-Köpenicker Bündnisgrünen fordern derweil die Einberufung einer Sonder-Bezirksversammlung. "Für uns ist unverständlich, weshalb der Bezirk 1999 einer Stundung des Pachtzinses zustimmte", sagte der Bezirkssprecher der Bündnisgrünen, Harald Moritz. Außerdem müsse geklärt werden, warum angeblich niemandem die Lagerung des Giftmülls auf dem Vergnügungspark-Gelände auffiel.

"Da die Spreepark-GmbH den Giftmüll nicht entsorgt hat, wozu sie als Pächter verpflichtet ist, ist das Land Berlin in einer prekären Situation", sagte Holger Lippmann. Denn nun müsse sich der Liegenschaftsfonds um die giftige Hinterlassenschaft kümmern. Lippmann hat deshalb gestern veranlasst, dass die Fässer, von denen eine unmittelbare Gefahr ausgeht, in eine abschließbare Halle gebracht werden, bis sich die Zukunft des Parkes geklärt hat. "Das Umweltamt wollte zwar am liebsten, dass die Fässer komplett entsorgt werden, aber aus Kostengründen haben wir uns für die Hallen-Lösung entschieden", so Lippmann.

Dass Norbert Witte mittlerweile mit dem Aufbau seines Luna-Parks in Puno begonnen hat, ist unwahrscheinlich. "Bei uns hat er sich noch nicht gemeldet", sagte Oliver Jörg, der Leiter der deutsch-peruanischen Handelskammer in Lima, und fügte an: "Um als Deutscher ein Gewerbe zu eröffnen, braucht man zuerst einmal ein polizeiliches Führungszeugnis aus Deutschland." Dem Vernehmen nach soll sich Witte schon vor einem Monat beim Auswärtigen Amt nach den Voraussetzungen für die Eröffnung eines Gewerbes in Peru erkundigt haben.

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