Berlin : Nur 300 000 Berliner gaben ihre Stimme per Post ab

Annette Kögel

Aufgeschlitzt, aufgeklappt, ausgezählt: Bei der Wahl sind etwa 300 000 Kuverts mit Briefwahl-Stimmzetteln ausgewertet worden. Die meisten kamen von Wählern aus Steglitz-Zehlendorf, die wenigsten aus Marzahn-Hellersdorf. Wahlscheine hatten ursprünglich 316 000 Berliner beantragt, das sind 13,1 Prozent der 2,5 Millionen Wahlberechtigten. 1999 waren 334 000 Briefe mit Stimmzetteln verschickt worden - somit gab es jetzt 18 000 weniger Interessenten. Das Endergebnis steht aber erst fest, wenn die 2200 Briefe ausgezählt sind, die wegen Milzbrand-Alarms in den Briefzentren Schönefeld und Hennigsdorf liegen bleiben mussten.

Zum Thema Ergebnisse I: Stimmenanteile und Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse II: Direktmandate im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse III: Ergebnisse nach Regionen (Abgeordnetenhaus und BVV)
WahlStreet.de: Die Bilanz Der Landeswahlleiter hatte beschlossen, die infolge "höherer Gewalt" liegen gebliebenen Sendungen als "rechtzeitig zugegangen" zu werten. Damit hat die Terror-Katastrophe in den USA nicht nur die Themen des Wahlkampfes in Berlin beeinflusst - nun verzögern Drohbrief-Trittbrettfahrer auch die Auszählung. Das endgültige Berliner Wahlergebnis wird aber ohnehin erst am 7. November bekannt gegeben.

Die letzten 1600 Umschläge waren Sonntag früh gegen 7 Uhr per Post eingetroffen. Die Bezirkswahlämter haben seit 1. Oktober zwar 316 000 Umschläge versendet - doch zurück kommen längst nicht alle Stimmzettel. "Bei der letzten Wahl schickten 17 000 der 334 000 Wahlberechtigten die Post nicht ab", sagte Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás. 15 bis 20 Prozent der Wähler geben die Unterlagen doch persönlich ab. Wie in Steglitz-Zehlendorf, wo 18,8 Prozent der Wähler einen Briefwahl-Antrag gestellt hatten. Danach folgen Charlottenburg-Wilmersdorf (17,8 Prozent), Tempelhof-Schöneberg (16,3), Reinickendorf (über 14), Spandau und Neukölln (knapp 13), Mitte (12), Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow (10,5), Treptow-Köpenick (10,3) und Lichtenberg (9 Prozent). In Marzahn-Hellersdorf gingen die meisten Wähler persönlich zur Urne (7,9).

Wahlscheine dürfen beantragt werden, wenn Wähler wegen Reisen oder Krankheit verhindert sind. Wie viele Menschen mit Hauptwohnsitz in Berlin, die aber anderswo leben, per Post wählten, ist nicht bekannt. Auch 2380 EU-Bürger beantragten einen Wahlschein.

Die Briefwahl lässt sich das Land einiges kosten. Zwar steht auf dem Wahl-Kuvert rechts oben der Vermerk "Entgelt frei im Bereich der Deutschen Post AG". Doch etliche Berliner, die die Post in Neuseeland oder auf Mallorca einwarfen, haben den Umschlag nicht ausreichend frankiert. Nun wird mit der Post abgerechnet. Die Briefwahl-Unterlagen lässt sich das Land Schmidt von Puskás zufolge mindestens 600 000 Mark kosten, dazu kam das Porto für die EU-Briefe. Die Wahlbenachrichtigungskarten schlagen allein mit einer Million Mark zu Buche.

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