Berlin : „Nur der Franky kümmert sich noch“

Gänsekeule und Herzenswärme: Frank Zander feiert mit Obdachlosen Weihnachten

Jens Mühling

Alle Jahre wieder... wird den meisten Menschen in dieser Stadt ganz warm ums Herz. Und alle Jahre wieder gibt es da auch noch eine ganze Menge Menschen, denen kalt ist: von außen, weil sie kein Zuhause haben, und von innen, weil es in der Weihnachtszeit besonders schwer ist, allein zu sein. Das sind die Menschen, die Frank Zander besonders am Herzen liegen – der alle Jahre wieder Berlins Obdachlose zu einer Weihnachtsfeier der besonderen Art einlädt.

„Am Anfang war da das schlechte Gewissen“, sagt Zander. „Mir ging es gut, anderen nicht.“ Vor elf Jahren organisierte der Berliner Entertainer zum ersten Mal ein Gänsebraten-Essen für Obdachlose. 120 waren es damals, „und am Ende habe ich geheult“. Die Weihnachtsbescherung wurde zum festen Termin, und in diesem Jahr sind es bereits knapp 2000 Gäste, die mit Bussen aus ganz Berlin ins Neuköllner Hotel Estrel gebracht werden. „Ich freu mich das ganze Jahr auf Weihnachten mit Franky“, sagt Norbert, der bereits zum dritten Mal dabei ist. „Wo die Busse losfahren, weiß jeder, das spricht sich in der ganzen Stadt rum.“

Am Eingang begrüßt Zander jeden Gast persönlich mit Handschlag. Viele haben kleine Geschenke für ihn mitgebracht: Weihnachtsgedichte auf zerfledderten Zetteln, selbst gemalte Bilder, sogar ein Fläschchen Jägermeister landet auf dem Gabentisch. Dann sammeln sich alle um die Tische des großen Festsaals, und eine Viertelstunde später werden dampfende Gänsekeulen mit Rotkohl und Knödeln aufgetragen. Als Servierer betätigen sich neben dem Estrel-Personal – und natürlich Zander selbst – auch ein paar Mitarbeiter der ehrenamtlichen Organisation „Polizisten für Obdachlose“. Außer Teller-Auftragen haben sie heute Abend wenig zu tun: „Ärger gibt es hier eigentlich nie“, sagt einer von ihnen. „Die Leute sind immer ganz, ganz lieb.“

Nach dem Essen beginnt das Show-Programm: Frank Schöbel ist dabei, die Radio-Moderatoren Jürgen Jürgens und Uly Köhler, und natürlich gibt auch Zander selbst ein paar Stücke zum Besten. Der krönende Abschluss aber ist die Bescherung: Dank der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher Sponsoren kann Zander seinen Gästen den Rückweg in die Kälte mit Präsenten wie Winterkleidung, Lesebrillen, Hundefutter und Hertha-BSC- Trikots versüßen.

Siggi und Manni finden das auch bitter nötig: „Dieses Jahr ist ja alles noch viel härter geworden: Hartz IV, keine Zulage mehr für Winterklamotten, die Ärzte wollen jetzt immer gleich Kohle sehen, und Weihnachtsgeld zahlt das Amt auch nicht mehr. Nur der Franky, der kümmert sich noch.“

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