Berlin : Nur die besten Schüler sollen künftig in Berlin studieren

Um die Sparvorgaben des Finanzsenators zu erfüllen, wollen Berlins Universitäten Zulassungsbeschränkungen einführen / Pro & Contra: Numerus clausus für alle Fächer?

Aliki Nassoufis

Die Freie Universität (FU) und die Technische Universität (TU) planen ab dem kommenden Wintersemester eine Zulassungsbeschränkung für alle Studienfächer. Das kündigten die beiden Universitäten am vergangenen Mittwoch an. Damit reagieren sie auf die Forderung von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), vom Jahr 2006 an 200 Millionen Euro einzusparen. Die Folge wäre ein Numerus clausus (NC) auch für die Fächer, die bisher nicht zulassungsbeschränkt waren.

Mit einem NC begrenzt eine Universität die Studienplatzzahl. Das passiert meist dann, wenn ein Fach so gefragt ist, dass die Kapazitäten nicht für alle Interessierten ausreichen. Dies war an der FU bisher in Fächern wie Soziologie, Film- und Politikwissenschaften der Fall. Dafür waren im vergangenen Wintersemester Abiturnoten zwischen 1,5 und 2,4 nötig. Arabistik und Musikwissenschaften hingegen waren noch in diesem Sommersemester zulassungsfrei. Ab Oktober droht auch hier ein NC. In den Fächern Medizin, Pharmazie, Biologie, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre ändert sich nichts. Sie bleiben bundesweit mit einem NC belegt; die Studienplätze werden zentral von der ZVS in Dortmund vergeben.

Um das Sparziel von 200 Millionen Euro zu erreichen, müssen die Hochschulen nach Ansicht ihrer Präsidenten ab sofort die Ausgaben drosseln. Der Akademische Senat der FU begründet die Entscheidung außerdem mit der Überlastung der Lehre, die infolge des Personalabbaus massiv gestiegen sei. „So kommen an der Freien Universität durchschnittlich 93 Studierende auf einen Professor, während es im Bundesdurchschnitt etwa 65 sind“, heißt es in der Begründung.

Mit dem geplanten flächendeckenden NC würde in allen Fächern die Auswahl nach einer Mischrechnung aus Abiturdurchschnitt und Wartezeit erfolgen. FU-Präsident Peter Gaehtgens warnte vor den Folgen dieser Bestenauslese. Schon heute werde in den NC-Fächern ein Notendurchschnitt von 2,2 erwartet. Der Berliner Abiturdurchschnitt liege jedoch bei 2,7. Monika Grütters, wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, kritisierte Sarrazins Sparvorhaben als nicht akzeptabel. SPD-Bildungspolitiker Christian Gaebler wiederum kritisierte die Ankündigung der Universitäten. Das letzte Wort hat aber der Wissenschaftssenator.

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