• Nur die Hotels wagen sich noch an die Top-Küche heran „Louis“ im Steigenberger öffnet, „Bamberger Reiter“ schließt

Berlin : Nur die Hotels wagen sich noch an die Top-Küche heran „Louis“ im Steigenberger öffnet, „Bamberger Reiter“ schließt

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Das Auf und ab in der krisengeschüttelten Berliner Gastronomie setzt sich unentwegt fort. Die positive Nachricht: Am Mittwoch hat das Steigenberger-Hotel sein mit Millionenaufwand umgebautes Parkrestaurant unter dem n „Louis“ neu eröffnet. Die negative Nachricht: Franz Raneburger schließt am heutigen Mittwoch seinen „Bamberger Reiter“, diesmal, wie es scheint, endgültig.

Die Botschaft ist klar: Nur noch Hotels schaffen es gegenwärtig, Geld für die Spitzengastronomie aufzutreiben, Privatleute ohne finanziellen Hintergrund müssen aufgeben. Das Steigenberger-Restaurant, in den Achtzigern mit einem Michelin-Stern kurzfristig zu Ruhm gekommen, fügt sich einem aktuellen Trend an: Fast alle Berliner Top-Hotels haben die Werbewirkung eines guten Restaurants entdeckt und nehmen in Kauf, dass damit direkt kein Geld zu verdienen ist. Erst vor einigen Tagen hat Drew Deckman im Four Seasons seine Arbeit aufgenommen, im „Harlekin“ des Grand Hotel Esplanade läuft sich der aus Storkow zurückgekehrte Kurt Jäger warm und im „Louis“ soll es Holger Zurbrüggen richten. Der Italien-Japan-Spezialist hat bereits vor einem Jahr im alten Parkrestaurant begonnen und gilt als einer der Berliner Hoffnungsträger.

Das Restaurant wurde rundum erneuert. Viel mehr Helligkeit als früher, edles Vogelaugenahorn an den Wänden, Spiegel und Gold, dicke Teppiche und raffinierte Lichtgestaltung lassen den in die Jahre gekommenen Vorgänger vergessen. Die neuen Gerichte kombinieren weiter asiatische mit europäischen Einflüssen: Fritierte Dorade mit Kartoffel-Lotuswurzel-Püree und Hongkongpfeffer oder Bressepoularde in Hoisin mit Ananas-Lauch-Risotto und Großgarnele stehen auf der neuen Karte; die Preise sind mit durchschnittlich 23 Euro für den Hauptgang deutlich unter denen der Konkurrenz angesiedelt.

Der „Bamberger Reiter“ schließt, weil das neue Konzept einer modernen österreichischen Küche zu moderaten Preisen von den Berlinern nicht angenommen wurde. Franz Raneburger, der den Betrieb erst seit Jahresbeginn wieder selbst führte, sagte am Dienstag, das Restaurant sei zwar in den letzten Tagen ausgebucht gewesen, doch bei den Gästen habe es sich überwiegend um Teilnehmer des Ärztekongresses gehandelt. Berliner Gäste gebe es praktisch nicht, jedenfalls nicht genug, um das Restaurant verlustfrei weiter zu betreiben. Er will sich nun wieder ganz auf seine Glienicker „Remise“ konzentrieren und sucht einen Käufer für den Traditionsbetrieb. Bernd Matthies

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