Berlin : Nur die Liebe quält

In „Reine Formsache“ hadern sechs Menschen mit ihren Beziehungen. In der Hauptrolle: Christiane Paul

Sebastian Leber

Gustav langweilt sich mit Effi zu Tode, Effi hätte Gustav am liebsten nie geheiratet. Wito stört, dass Ada fremdgeht, hat aber selbst mit Pola geschlafen. Und Pola hat ihre Ehe mit Felix aufgegeben und will sich scheiden lassen. Einziges Problem: Der zuständige Richter hat einen Schwächeanfall, der Scheidungstermin muss verschoben werden.

Was die drei Paare in „Reine Formsache“ erleben, kommt dem wahren Leben recht nahe, sagt Christiane Paul, die im Film Pola spielt. Vielleicht sei es sogar prototypisch für das, was „viele Eheleute, gerade in der Generation der Mittdreißiger, durchmachen“. Am Donnerstag kommt die Komödie ins Kino, gestern war Premiere im Film-Palast am Kurfürstendamm. „Mancher wird sich im Film wiedererkennen“, sagt Paul. Was sie aber keineswegs deprimiert: „Liebe kann schmerzen. Trotzdem ist sie einer der wenigen wirklich großen Werte, die wir haben“. Und dass es sich lohne, für die Liebe Kompromisse einzugehen. Das müsse sie im wahren Leben – Paul wohnt mit Partner und dreijähriger Tochter in Schöneberg – ebenfalls. „Aber meistens unbewusst, das ist ja oft eine fließende Angelegenheit.“ Und sie steht auf Liebesfilme: Bei „Die Brücken am Fluss“ und „Out of Africa“ muss sie sich zusammenreißen, um nicht loszuweinen, „sehr dramatisch, sehr romantisch“. Für Paul ist „auch ,Lost in Translation‘ ein Liebesfilm. Wie die sich am Ende verabschieden, meine Güte!“ Und Paul hat ihre alten Liebesbriefe aufbewahrt. Und die Poesiealben. In den Steckbrief-Büchern ihrer Klasse trug sie in der Rubrik „Mein Lieblingsauto“ grundsätzlich „Citroen“ ein. Weil sie einen Jungen gut fand, der wiederum die Automarke gut fand. Hat aber nichts gebracht. Heute würde sie wahrscheinlich nicht mehr „Citroen“ in die Bücher schreiben. Denn verbiegen solle man sich nicht für Beziehungen, sagt Paul. Das gehe zu weit, bei aller Liebe.

„Reine Formsache“ ist aber nicht nur eine Beziehungskomödie, sondern auch ein Berlinfilm. Ständig sind Kurfürstendamm, Potsdamer Platz oder Philharmonie zu sehen. Und die Spielbank, weil Polas Noch-Ehemann Felix leidenschaftlich Roulette spielt. Die Außendrehorte sind stets ins beste Sonnenlicht gerückt, gedreht wurde vergangenen Sommer. Wer den Film sieht, möchte sofort nach Berlin ziehen. „Wobei man dann auch den Winter ertragen muss“, grinst Paul. „Wer das nicht kann, hat es auch nicht verdient, in dieser wunderschönen anstrengenden Stadt zu wohnen.“ Dann geht es wieder ums Thema Liebe: die von Paul zum FC Bayern München. Glaubt man erst nicht, ist aber so. Dass Oliver Kahn bei der WM nicht als Nummer eins im Tor stehe, tue ihr Leid. Jetzt freut sich Paul, dass Kahn trotzdem an der WM teilnimmt, und wenn auch erst mal nur als Ersatzmann. Ohne Kompromisse geht es eben nicht.

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