Berlin : Nur für Geld

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Flo macht es nur für Geld. Der 24-Jährige klingt ein wenig so wie Klaus Kinski, der in einem Interview mal gesagt hat, dass er es "nur für Geld macht. Und zwar so sehr nur, dass das Geld schon vorher bei der Bank hinterlegt ist." Mit dem Unterschied, dass Klaus Kinski berühmt war und Flo es erst noch werden will. Als Moderator beim neuen Musiksender Viva Plus, der am 7. Januar auf Sendung geht. In etwa 30 Millionen deutschen Haushalten ist der Nachfolgesender von Viva Zwei - der abgesetzt wird - dann zu sehen.

In diesen Tagen suchen die Viva-Plus-Gesellschafter nun Moderatoren-Nachwuchs. Nach Köln und Hamburg war am Freitag auch Berlin dran. So wie Flo stehen noch mindestens 50 andere junge Leute auf dem Vorplatz der Philharmonie und warten darauf, endlich in den silbernen "Street-Casting-Truck" gelassen zu werden. Eine mit blauem Samt bezogene Sitzbank, ein Monitor und eine Kamera sind vorhanden. "Wenn die was Substanzielles kriegen wollen, dann ist gut. Wenn die was Oberflächliches suchen, dann eben nicht", sagt Flo und nimmt einen langen Zug an seiner Zigarette. Was genau er damit meint, erläutert er nicht weiter. Es ist wohl auch nicht so wichtig. Er jedenfalls lässt sich überraschen.

Die Viva-Leute drücken jedem Bewerber einen Fragebogen in die Hand. Neben den Personalien werden so substanzielle Dinge wie Sprachen / Dialekte, Talente, Lieblingsbands und -filme abgefragt. Lieblingsbücher kommen gar nicht erst vor. Das mutet vielleicht etwas zu antiquiert an. Denn der neue Sender möchte eben "eine Medienmaschine mit Multitasking plus Interaktion plus Infostream..." sein. Aber vor allem eben plus.

Saski, 22, hat sich extra in ihr Tiger-Oberteil geworfen. "Das stellt mich irgendwie auch ein bisschen dar", sagt die blonde Studentin der Kommunikationswissenschaft. Den Job würde sie gerne machen, "um vor der Kamera meinen Senf abzugeben, aber auch Hintergrundinformationen" zu liefern.

Jens, 21, aus Göttingen war schon am Vortag in Hamburg dabei. Weil es da aber geschneit, gestürmt und geregnet hat, ist er nun auch nach Berlin gekommen. Schließlich war er völlig durchnässt. Da kommt man nicht so gut rüber, würde man in der Welt des Musikfernsehen wohl dazu sagen. Wenn man darf.

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