Berlin : Nur geträumt

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VON TAG ZU TAG

Björn Seeling macht sich Sorgen

um das Reichsvermögen

Es gibt Begriffe, die lösen unwillkürlich Dagobert-Duck-Visionen aus. So wie „Jackpot“ etwa, den wir uns als Bassin voller bunter knisternder Euro-Scheinchen vorstellen. Und erst das „Reichsvermögen“! Das klingt nach märchenhaftem Reichtum, nach dicken Schatztruhen, aus denen das blitzende Gold quillt. Hier und dort scheppert das Familiensilber irgendeines Blaublutes. Schon sehen wir einen Finanzsenator, wie er einen Köpper in Edelsteine und Perlen macht. Im Dagobert-Duck-Badeanzug versteht sich.

Aber ach, alles nur geträumt!

Denn das Reichsvermögen sind in Wahrheit nur olle Immobilien. Kein Protz, kein Prunk, nicht einmal auf ein Königskrönchen oder Reichsäpfelchen darf sich Berlin freuen. Es gibt Exerzierplätze zurück, auf denen sich, wie aufregend, heute die Berliner Flughäfen befinden. Und als Dreingabe ist da noch ein Soldatenfriedhof, der das militärische Set komplettieren soll.

Hand aufs Herz, liebe Berliner Stadtväter, die ihr sonst auf Jux und Dollerei, Spaß und Unterhaltung so versessen seid: Das so genannte Reichsvermögen aus preußischer Zeit ist doch die gebündelte Langeweile. Ein nettes Märchenschloss für die nächste Echo-Gala? Fehlanzeige. Dafür wartet eine Ulanen-Kaserne darauf, den Schatz unserer Stadt zu vermehren. Läge Berlin doch in Bayern! Da lockte wenigstens die Aussicht auf so etwas wie Neuschwanstein.

So waren die alten Preußen eben: Marschieren konnten sie, aber von Glamour hatten sie keine Ahnung.

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