Berlin : Nur jeder Dritte findet die CDU-Unterschriftenaktion gut

MICHAEL BRUNNER

BERLIN .Die Unterschriftenaktion von CDU und CSU gegen den Entwurf der Bundesregierung zur doppelten Staatsbürgerschaft stößt bei der Mehrheit der Berliner auf Ablehnung.Auf die Frage der Wahlforscher von Infratest sagten 60 Prozent der Befragten, daß sie die Aktion nicht gut finden.Nur 35 Prozent äußerten Zustimmung.Selbst unter CDU-Anhängern ist die Unterschriftenkampagne umstritten.Zwar sind 58 Prozent dafür, doch mit 36 Prozent sprach sich ein Drittel dagegen aus.Mit 77 Prozent sind deutlich mehr als zwei Drittel der SPD-Anhänger gegen die Aktion der Unionsparteien, ebenso 72 Prozent der PDS-Anhänger und 89 Prozent der Wähler der Bündnisgrünen.

Das Berlin-Barometer von Infratest für Januar 1999 ergab außerdem, daß sich die Bundesregierung bei ihrem Kurs, lange in Deutschland lebenden oder dort geborenen Ausländern die Einbürgerung zu erleichtern, auf eine breite Zustimmung der Berliner stützen kann.Auf die Frage der Meinungsforscher "Sind Sie grundsätzlich für eine Erleichterung der Einbürgerung oder dagegen?", sprachen sich 66 Prozent der Befragten für eine Erleichterung aus.Interessant ist dabei, was die verschiedenen Wählergruppen zu dem Thema sagten.Immerhin 54 Prozent der CDU-Anhänger sind für Erleichterungen, nur 42 Prozent dagegen.Größer ist die Zustimmung unter SPD-Anhängern: 79 Prozent würden es gern sehen, daß die Einbürgerung erleichtert wird.Nur 17 Prozent stehen den Plänen reserviert gegenüber.Bei der PDS sind 71 Prozent dafür (28 Prozent dagegen).Und die Anhänger der Bündnisgrünen präsentieren sich mit 90 Prozent Zustimmung als die aufgeschlossenste Wählergruppe.Nur sieben Prozent der Grünen-Sympathisanten gaben an, grundsätzlich gegen Erleicherungen zu sein.

Vor die Wahl gestellt, welches Modell für den Umgang mit der doppelten Staatsbürgerschaft das beste sei, zeigen sich die Berliner unentschieden.35 Prozent der Befragten teilen die Ansicht von CDU und CSU, nach der die doppelte Staatsbürgerschaft prinzipiell abzulehnen ist.32 Prozent plädieren für die Position von SPD und Grünen, die doppelte Staatsbürgerschaft ohne zeitliche Einschränkung zuzulassen.Immerhin 31 Prozent sind dem Vorschlag der Liberalen zugeneigt, nur Kindern und Jugendlichen bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter neben der deutschen auch die Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes zuzugestehen.

Generell gehen in dieser Frage die Meinungen der Berliner im östlichen und westlichen Teil der Stadt auseinander.Im Ostteil überwiegt die Zustimmung zu einer restriktiveren Vorgehensweise (39 Prozent Zustimmung für den Vorschlag der Union, nur 26 Prozent für den der Koalition).37 Prozent der Bewohner der westlichen Bezirke befürworten eine großzügige Handhabung der doppelten Staatsbürgerschaft.

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