Berlin : Nur „Kaiser’s“ nimmt Puten aus dem Regal

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Obwohl das mit dem Hormon MPA verseuchte Futtermittel auch nach Brandenburg, dem Hauptlieferanten der Berliner Fleischereien geliefert wurde, sieht die Berliner Verbraucherzentrale keinen Grund zur Panik. „Es ist zurzeit nicht davon auszugehen, dass die Gesundheit der Berliner gefährdet ist“, so Sprecher Christoph Römer. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Fleisch verseucht ist, sei äußerst gering. Selbst wenn Hormonreste gefunden würden, stellten sie keine Gefahr für die Gesundheit dar. In Amerika und Australien sei das Hormon MPA als Futterzusatz schließlich erlaubt. Verbrauchern, die auf „Nummer sicher“ gehen wollen, rät Römer, in Bioläden einzukaufen. „Diese füttern ihre Tiere nur mit hofeigenem Futtermittel“, so Römer. Da sei es ausgeschlossen, dass das hormonverseuchte Futter der belgischen Firma Bioland verwendet wurde.

Auch die Supermärkte reagieren zurückhaltend auf die Ausweitung des Skandals. „Wir lassen unser Fleisch im Regal“, so „Edeka“-Sprecher Andreas Laubig. Man verkaufe zum großen Teil Fleisch der Eigenmarke „Gutfleisch“ von der Edeka-Tochterfirma „Bauerngut“. Diese bekommt jedoch die Rinder- und Schweinehälften schon fertig geliefert. „Unsere Lieferanten sind vertraglich verpflichtet, nur eigene Futtermittel zu verwenden“, so Laubig. Falls das einmal nicht ausreiche, dürfen sie auch Futtermittel dazukaufen – jedoch nur von kontrollierten Herstellern. „Wir gehen davon aus, dass sich die Lieferanten an ihre Verträge gehalten haben“, so Laubig.

Auch bei „Reichelt“ bleibt das Fleisch im Regal. „Wir haben bei unseren Lieferanten angefragt, bislang geben alle Entwarnung“, so Sprecherin Hildegard Retzlaff. Gleichzeitig kontrolliert Reichelt seine Fleischprodukte stichprobenartig. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Bei „Kaiser’s“ haben die Mitarbeiter am Montag die ebenfalls unter Hormonverdacht stehenden Puten aus dem Regal genommen. Sie waren von einer italienischen Firma geliefert worden, die ebenfalls Futtermittel der Firma Bioland verwendete. Das restliche Fleisch nun auch noch aus dem Regal zu nehmen, dazu sieht man bei Kaiser’s keinen Grund. „Wir kontrollieren unsere Produkte regelmäßig auf unerlaubte Zusätze wie Antibiotika oder Hormone“, so eine Unternehmenssprecherin. Auch heute habe man das Fleisch wieder stichprobenartig untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen stehen noch aus.

Auch Fleischermeister Jörg Staroske macht weiter wie bislang. „Ich verkaufe nur Markenfleisch. Meinen Lieferanten kann ich vertrauen.“ Als Vorstandsmitglied der Fleischerinnung rät er seinen Berufsgenossen, die Einkaufswege der Lieferanten genau nachzuverfolgen, damit später keine bösen Überraschungen warten. Außerdem empfiehlt er regelmäßige Kontrollen.

Trotz der schlechten Neuigkeiten laufe das Fleischgeschäft in Berlin weiterhin gut. Den Verbrauchern rät er, lieber teureres Markenfleisch von den Firmen „Landjuwel“ oder „Neuland“ zu kaufen. „Gut und billig geht eben nicht“, so Staroske. Deshalb sollten die Leute lieber tiefer ins Portemonnaie greifen und dafür wissen, was sie auf dem Tisch haben.

Privatdozent Wolf-Rüdiger Stenzel vom FU-Institut für Lebensmittelhygiene bezeichnet eine mögliche Hormonbelastung des Fleisches jedoch als „toxikologisch unbedeutend“. Stenzel sagte weiter, er wolle damit keineswegs die moralisch-ethische Bedeutung des Vorfalls verharmlosen. „MPA dem Futter beizumischen, ist eine Schweinerei und stimmt mit den Grundsätzen einer guten Produktion nicht überein.“

Bei MPA handelt es sich Stenzel zufolge um ein synthetisch hergestelltes Hormon, das in der EU nur zur Behandlung von Tieren zugelassen ist, die nicht zum Verzehr bestimmt sind.

Stenzel zufolge wäre eine Gefährdung nur dann gegeben, wenn Menschen selbst den belasteten Sirup trinken würden, der dem Futter beigemischt worden sein soll. akl/jmw

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