Berlin : Nur keine Panik

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Von Tanja Buntrock

Wildes Gewusel? Stimmenwirrwar?Menschen, die mit Headsets bestückt hastig über die Flure im 13. Stock des „Haus des Reisens“ am Alexanderplatz laufen?

So könnte man sich die Atmosphäre drei Tage vor der Love Parade im Hauptquartier der Veranstalter vorstellen. Man könnte - doch dann täuschte man sich. Keine Menschenseele auf den mit Love-Parade-Postern und -Fotos verzierten Fluren. Aus den Ritzen einer Bürotür kriechen leise Klänge elektronischer Musik. Sehr leise Klänge. Die etwa 20 Leute, die sich derzeit um die Vorbereitungen für die Mega-Veranstaltung kümmern, sitzen alle an ihren Schreibtischen vor ihren Computern und arbeiten vor sich hin.

Ralf Regitz, Geschäftsführer des Veranstalters „Planetcom“ führt durch die Büroräume. Hektik, sagt er, dürfe hier nicht herrschen: Schließlich sei das ein Zeichen für Desorganisation. Und das kann man den Veranstaltern wirklich nicht vorwerfen, dass sie nach 13 Paraden nicht organisiert seien. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Regitz.

Das eingespielte Team verteilt sich auf mehrere Büroräume, mal mit zwei, mal mit vier und mal mit sechs Arbeitsplätzen. Noch umspinnt die beiden Sekretärinnen Tanja und Britta ein Geräusche-Netz aus Telefonklingeln und Faxeingängen. „Listenterror“, nennen sie das hier, weil tausende von Anfragen hereinkommen, die sich nur damit beschäftigen, auf irgendeine der vielen, vielen Listen zu kommen: VIP-Liste, Sponsoren-Liste, Wagen-Liste... Doch spätestens am Vortag der Love Parade verstummten die Telefone hier: weil dann alles organisiert sei.

Ein Zimmer weiter kümmert sich Maiqe - wie das ganze Jahr über - um die Organisation der Wagen. Die Bewerbungen sind schon lange gelaufen. Jetzt widmet sie sich der Wagen-Sponsoring-Kontrolle, das bedeutet, sie kontrolliert, ob die Sponsoren, die auf einer festgelegten Fläche auf den Wagen werben dürfen, auch die Richtlinien der Veranstalter einhalten. Sünje, die ihr gegenüber sitzt, kümmert sich um die Veranstalter der Paraden in anderen Ländern, die natürlich in Berlin nicht fehlen wollen, wenn die „Mutter der Paraden“ stattfindet. Dem Stress und der Hitze begegnet Sünje mit einer Flasche Ginkgo, die meisten anderen holen sich frische Energie aus Kombucha-Flaschen.

Ingo wickelt alles ab, was mit Logos, Werbung und Bannern zu tun hat, Claudia betreut die Medien am Telefon, Silke tut das gleiche mit den VIPs und Diana stempelt Zugangspässe. Nebenan, im kleinen Großraumbüro, das etwa acht Mitarbeiter beherbergt, kümmert sich Tilman mit seinen Kollegen um den passenden Internet-Auftritt. Weil man auf der Hompage der Love Parade alles Mögliche erfahre: Updates, Service rundum und Chats, fasst Tilman zusammen. Nur am Ende des Ganges, etwas abgeschieden, sitzen Katrin und Elke in einem von gespenstischer Ruhe durchzogenen Zimmer und machen die Buchhaltung. An einer der Wände hängt ein mindestens vier Meter langer Plan der Parade-Strecke. Alles, was irgendwie auf diesem Bereich den Boden berührt, sei dort eingezeichnet. Jeder Poller, jeder Laternenpfahl, jeder Catering-Stand, alles eben. Ausgemessen und mit einem Computer aufgezeichnet haben die Veranstalter das Ganze selbst, weil die Pläne der Stadt nicht mehr ganz dem neusten Stand der Dinge entsprachen. Abgestempelt von der Polizei ist der Plan schon seit zwei Wochen. Jetzt muss er nur noch kopiert, eingeschweißt und an alle Mitarbeiter verteilt werden. Der große Tag der Macher rückt näher – und es scheint, als liege tatsächlich in der Ruhe die Kraft.

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