Berlin : Nur keine Panik

Comic-Duo Ziska und Seyfried hat „Per Anhalter durch die Galaxis“ illustriert

Lars von Törne

Nein, ein Handtuch werden Seyfried und Ziska am 25. Mai nicht bei sich tragen. So weit geht die Verehrung der beiden Zeichner für Douglas Adams dann doch nicht, dass sie privat den „Towel Day“ feiern würden, den Fans nach dem Tod des Science-Fiction-Autors vor fünf Jahren ausgerufen haben. Adams starb am 11. Mai 2001, seitdem huldigen ihm seine Jünger weltweit, indem sie am 25. Mai ein Handtuch bei sich tragen. Schließlich lautet die Empfehlung in Adams fünfbändigem Hauptwerk „Per Anhalter durch die Galaxis“, ein Handtuch sei „das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann“.

Um die Gründe für diese Empfehlung aufzuzählen, reicht hier der Platz nicht. Nur so viel: Ein von Seyfried und Ziska gezeichnetes Bild des Handtuchs sowie liebevolle Illustrationen der ganzen Geschichte drumherum finden sich in der Neuauflage des Adams-Klassikers, die jetzt bei „Zweitausendeins“ erschienen ist. Zur Bebilderung der fantastisch-verrückten Weltraumodyssee des heimatlosen Erdenbürgers Arthur Dent hat der Verlag das wohl bekannteste deutsche Comiczeichnerduo nach langer Koproduktionspause wieder zusammengebracht: Franziska Riemann, Allroundkünstlerin und bekannt als Ziska, und Gerhard Seyfried, der durch Bücher wie „Freakadellen und Bulletten“ und „Invasion aus dem Alltag“ zum Chronisten der linken Szene der 70er und 80er wurde.

Der Auftrag, das Buch zu illustrieren, erschien ihnen wie ein Zeichen des Himmels, erzählt Ziska (32) beim Tee in Seyfrieds Atelierwohnung in einem Schöneberger Altbau. „Als Teenager war ich ein großer Fan von Douglas Adams, mit 20 habe ich ihm einen Brief geschrieben, ob ich sein Buch als Comic verarbeiten darf.“ Eine persönliche Antwort hat sie bis zum Tod des Meisters nie erhalten – so erschien der Anruf des Verlages im vergangenen Jahr, „als hätte Adams von oben die Hebel in Bewegung gesetzt“.

Adams’ Buch hat sie sehr beeinflusst, sagt Ziska, die sich unter anderem als Autorin, Musikerin, Malerin und eben Zeichnerin ihren Lebensunterhalt verdient. Bis heute schwärmt sie von der Philosophie des Buches, von der Idee, „dass alles möglich ist in einem metaphysischen Universum, in dem die Dinge lebendig sind“.

Seyfried (58) mag das Buch besonders wegen Adams’ Sprachwitz – und wegen des leicht depressiven Roboters Marvin. „Ein Gehirn von der Größe eines Planeten – und alles, was er tun darf, ist anderen Leuten die Türen aufhalten“, sagt Seyfried und sieht das als Allegorie auf das Menschendasein im Allgemeinen.

Ziska und Seyfried schufen in den 90er Jahren futuristische Bildgeschichten wie „Space Bastards“ und „Starship Eden“. Danach gingen sie unterschiedliche Wege, vor allem, weil sich das Comicgeschäft auf Dauer nicht auszahlte. Seyfried wurde zum gefeierten Autor historischer Romane wie „Herero“ und „Der schwarze Stern der Tupamaros“, Ziska schrieb unter anderem Drehbücher und veröffentlichte CDs mit eigenen Songs.

Für die „Anhalter“-Illustration zogen sie sich zwei Monate lang zurück und empfanden das Paralleluniversum des britischen Autors mit Bleistift, Tusche und Computer nach. Herausgekommen ist ein mehrteiliges Sammelbild randvoll mit schrägen Charakteren aus anderen Galaxien. Einem Teil der Neuauflage liegt das Bild als Poster bei, in Ausschnitten findet es sich auch im Buch wieder.

Der Ausflug in die Science-Fiction- Welt ist für das Duo nur der Auftakt zu einer Seyfried-Ziska-Renaissance. Im Moment bereiten sie eine Comicerzählung vor, die nächstes Jahr eine Neuauflage ihrer alten Werke begleiten soll. Parallel dazu beendet Seyfried, der nach einem Schweiz-Jahr wieder fest in Berlin verwurzelt ist, einen weiteren historischen Roman, diesmal über den chinesischen Boxeraufstand 1900. Auch Ziska, die zu Jahresbeginn mit ihrem Freund nach Wiesbaden gezogen ist, schreibt an einem Roman. Außerdem bringt sie sich derzeit als Malerin in Berlin in Erinnerung: Bis Mitte Juni zeigt die Galerie im Festsaal Kreuzberg (Skalitzer Straße 130) gemalte Frauenporträts von ihr.

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis, Gesamtausgabe mit vierfarbigen Illustrationen von Gerhard Seyfried und Ziska Riemann. 936 Seiten, 39,90 Euro, mit Kunstdruckplakat 45 Euro, Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins. Infos zum Handtuchtag www.towelday.kojv.net

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