Berlin : Nur Krajewski und Strieder scheinen als Senatoren gesetzt

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Dem Pankower SPD-Kreisvorsitzenden und Abgeordneten Ralf Hillenberg platzte der Kragen. Kaum hatte der Landesvorstand auch mit seiner Ja-Stimme den Weg zur Ampel-Koalition beschlossen, machte er Putz wegen der Koalitionsunterhändler. Neun Wessis und zwei Ossis: "Da habe ich gebrüllt, aber wie!" Wowereit stutzte; die SPD setzt doch auf Qualität statt Quote. Parteichef Strieder lenkte rasch ein: also neun zu vier um des lieben Friedens willen. Senatorin Gabriele Schöttler und Klaus Ulbricht (Bürgermeister von Köpenick-Treptow) wurden nachnominiert.

Zum Thema Online Spezial: Berlin hat gewählt Hillenberg gilt als "guter Chaotisierer". Aber die Episode ist ein Vorgeschmack auf die ohnehin schwierige Senatsbildung. Hillenberg fordert lautstark zwei Senatoren oder einen Senator und den Parlamentspräsidenten mit Ost-Biografie, außerdem mehrere Staatssekretäre. Er macht sich zur Stimme der Ossis, die mit ohnmächtiger Wut auf die Wahlgewinne der PDS reagieren und dabei die eigenen Wahlerfolge vergessen.

Nur acht Senatoren darf es neben dem Regierenden Bürgermeister geben, eine Verfassungsvorschrift, die Klaus Böger als SPD-Fraktionschef durchgedrückt hatte. Vielleicht wird er selbst das späte Opfer. Fünf Senatoren stellt die SPD jetzt, vier wird sie nach Lage der Dinge stellen, je zwei die FDP und die Grünen. Klaus Wowereit will Finanzsenatorin Christiane Krajewski unbedingt behalten, den neuen Stern am Senatshimmel. Auch das Innenressort behält er für die SPD. Aber was wird aus Senator Ehrhart Körting, der wegen seiner Kompetenz und Gelassenheit geschätzt wird? Er gilt, nein galt, ebenfalls als gesetzt. Er hat keine Hausmacht und kein Parlamentsmandat. Solche Leute werden leichter "rausgekegelt". Körting kennt das. 1997 war er als Justizsenator eingesprungen, brillierte auch, war aber 1999 überzählig und ging klaglos.

Unangetastet ist Stadtentwicklungssenator Peter Strieder, der als Nur-Parteichef zu wenig Autorität hätte; Wowereit braucht ihn. Klaus Böger will Schulsenator bleiben, aber auf das Bildungsressort, das vielleicht mit Wissenschaft/Forschung zusammengelegt wird, legt die FDP traditionell Wert. Böger war schon im Juni als Innensenator im Gespräch, aber das lehnte er ab; Parteisoldat Körting sprang ein. Böger könnte sich nun auf dem Stuhl des Parlamentspräsidenten wiederfinden, der sonst Walter Momper zugedacht ist. Nur fragt sich, wie rebellisch Hillenberg die Ost-Abgeordneten macht; deren Personaldecke ist allerdings dünn.

Gabriele Schöttler (Soziales, Arbeit, Gesundheit und Frauen), verdankt ihr politisches Überleben bisher der Doppelquote Ost und Frau. Sie gilt als zäh, wenn es um die Wurst geht, aber schlecht in der Selbstdarstellung als Senatorin, obwohl sie mit der Privatisierung des Krankenhausgeländes Buch und der Gründung der Krankenhausgesellschaft Vivantes in kurzer Zeit geschafft hat, was ihre Vorgänger jahrelang nicht geschafft hatten. Parlamentspräsidentin kann sie nicht werden, denn sie hat ihr Mandat um 200 Stimmen an die PDS verloren. Auf ihr Ressort gucken wiederum die Grünen begehrlich; das ärgert Hillenberg sehr.

Und wo ist noch ein außergewöhnlicher SPD-Kopf? Wowereit schweigt wie die Sphinx. Die Koalitionsverhandlungen haben ja noch gar nicht begonnen. "Vor Überraschungen in letzter Minute ist man bei ihm nie sicher", weiß die rätselnde SPD.

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