Berlin : Nur mit Norm

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24 mal 4,10. Um diese Zahlen kommt bei der Love Parade niemand herum. Auch Carsten Fehst nicht, dessen Vehikel auf Paraden in ganz Europa mitfahren. 24 Meter lang dürfen die Love-Laster sein, und maximal 4 Meter 10 hoch. Dazwischen ist Platz für die Fantasie der Wagenbauer. Wer die Auflagen nicht erfüllt, hat umsonst gewerkelt.

Carsten Fehst hat vor der Abnahme alle Handys voll zu tun. Über die komplizierten Richtlinien könnte er sich zwar jedes Mal aufregen, letztendlich haben jedoch immer die Prüfer das letzte Wort. Die Zeiten der Improvisation sind vorbei: Früher sei das Bauen für ihn einfacher gewesen, ohne beschwerliche Antragswege und ausgeklügelte Finanzierungspläne. „Wir sind damals fast naiv herangegangen, aber irgendwie klappte es immer“, sagt Fehst.

Zusammen mit einem Kompagnon hatte er im Tacheles das „Commando Walrot“ gegründet, ein Wagenbauservice. Doch Fehst, der mitgeholfen hat, die Kunstruine an der Oranienburger Straße in ein funktionierendes Kulturhaus zu verwandeln, ist mit der Geschäftsführung im Streit auseinander gegangen. Er zog in die Saarbrücker Straße.

Nachdem er auf seiner ersten Parade mit einem Panzer-Nachbau über den Kurfürstendamm rollte, wollte er dann für das Tacheles ein Schiff durch den Tiergarten fahren lassen. Das Gefährt sollte auf einen Anhänger geladen werden, doch Anhänger waren nicht zugelassen. „Und das kurz vor dem Start - eine Welt war zusammengebrochen“, erinnert er sich. Ein Jahr später fand sich eine Spedition, die sein Schiff „huckepack“ nahm. Sein nächstes Projekt war nicht weniger ausgefallen: Er baute einen Bahn-Waggon zum Club aus, zog ein Zwischendeck ein, setzte Panzerglas in die Fenster und ließ die DJs auf einer Kanzel thronen.

Er schuftete wochenlang für die Aufträge, richtig bezahlt wurde er fast nie. „Heute suche ich mir die Anfragen genau aus, sie müssen in mein Konzept passen“, sagt Fehst. Doch erst einmal dreht sich in den Tagen alles um die technische Abnahme. Dieses Mal hat er den Truck zu einem Drachen umgebaut. „Eine Schockoptik“, nennt er das. Hoffentlich schockiert’s nicht die Prüfer. krau

Weitere Informationen:

www.paradewagen.de

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