Berlin : Nur nicht hip sein

Daniel Achilles wehrt sich gegen Luxus – nun wählte ihn der Gault-Millau zum „Koch des Jahres“.

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Jung und ausgezeichnet. Daniel Achilles ist vom Gault-Millau zum „Koch des Jahres“ gekürt worden. Foto: dpa
Jung und ausgezeichnet. Daniel Achilles ist vom Gault-Millau zum „Koch des Jahres“ gekürt worden. Foto: dpaFoto: dpa

Was Daniel Achilles geschafft hat, gilt unter Experten als nahezu unmöglich: Er eröffnete auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 2009 das privat finanzierte Restaurant „Reinstoff“ in Mitte – ohne ein Hotel oder einen reichen Mäzen im Hintergrund – und führte es dennoch innerhalb von wenigen Jahren in die deutsche Spitzenklasse. Vom Gewinner eines Berliner Business-Plan-Wettbewerbs zum Küchenchef mit zwei Michelin-Sternen und 18 von 20 Gault-Millau-Punkten – ein Berliner Märchen, das nun mit der Auszeichnung „Koch des Jahres“ durch Gault-Millau-Chefredakteurin Patricia Bröhm einen Höhepunkt gefunden hat.

Von Anfang an betreibt der 37-jährige gebürtige Leipziger das Restaurant zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sabine Demel und Restaurantleiter Ivo Ebert. Anfangs stand er noch im Schatten seines Lehrmeisters Juan Amador, hat aber längst gleichgezogen. Typisch für ihn ist, dass er die Küche im Keller des Restaurants selten verlässt und deshalb in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. 14 Stunden steht er am Herd und betont, Kochen sei harte Arbeit. „Wenn das Gefühl vermittelt wird, das ist alles chic und easy und trendy, dann verwischt das.“

Auf teure Luxusprodukte verzichtet er schon aus wirtschaftlichen Gründen. Er favorisiert statt dessen Gemüse, distanziert sich aber von „pseudo-hippen veganen Restaurants“. Die Not wird hier zur Tugend: Der Gault-Millau rühmt ihn vor allem dafür, dass er aus an sich unscheinbaren Zutaten große Küche macht, beispielsweise Steinpilz mit Tagetes-Blättern und Hühnerschmorsaft verbindet.

Eine weitere Auszeichnung des Gault- Millau ging ebenfalls nach Berlin: Tim Raue wurde zum „Restaurateur des Jahres“ ernannt – Lohn für den Erfolg der Restaurants „Sra Bua“ im Adlon und „La Soupe Populaire“ in der alten Bötzow- Brauerei, deren kulinarische Konzepte er verantwortet. Er ist weiterhin der einzige Berliner Koch mit 19 Punkten im Gault-Millau. Auf 18 Punkte stieg in diesem Jahr neben dem „Reinstoff“ auch das „Lorenz Adlon Esszimmer“. Ebenso hoch bewertet ist nur noch das kurz vor der Schließung stehende „Margaux“, weitere acht Restaurants haben 17 Punkte. Mit 16 neu: „Les Solistes“, Markus Semmler und Andreas Lochner.

Mit dabei waren neben einem großen Teil der deutschen Kochelite auch Stammgäste wie die Moderatorin Dunja Hayali, der Schauspieler Dominic Raacke und Klaus Wowereit, der sich den ganzen langen Abend in entspannter Stimmung zeigte, zumal ihm in dieser Veranstaltung niemand Böses wollte: Tim Raue rühmte ihn sogar für die Atmosphäre, die er in seiner Amtszeit geschaffen habe und die der Gastronomie helfe.

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