Berlin : Nur noch 573 Grundschüler starten mit Französisch

Die Zahl der Schüler, die das Fach als erste Fremdsprache wählen, hat sich seit 2001 halbiert

Susanne Vieth-Entus

Französisch als Unterrichtssprache verliert in Berlin rapide an Bedeutung. Die Zahl der Grundschüler, die das Fach als erste Fremdsprache wählen, ist seit 2001 um über die Hälfte zurückgegangen. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nahm den 41. Jahrestag des Elysée-Vertrages zum Anlass, „ausdrücklich für Französisch zu werben“.

Französisch ist doppelt in Bedrängnis geraten. In den Oberschulen wird das als moderner geltende Spanisch immer stärker. In den Grundschulen ist die englische Konkurrenz übermächtig. Und das liegt nicht nur am Status von Englisch als Weltsprache.

„Viele Eltern entscheiden sich für Englisch, weil ihr Kind sonst kaum die Möglichkeit hat, nach Klasse 4 auf ein grundständiges Gymnasium zu wechseln“, berichtet Ursula Schmidt-Eichstaedt, Leiterin der Spandauer Grundschule am Eichenwald. Nur drei von über 30 grundständigen Gymnasien nehmen die „Französischkinder“ auf. Dies wirkt abschreckend – und zwar ausgerechnet auf die bildungsorientierten Familien, die bisher noch relativ offen für Französisch waren. Noch mehr leidet die Nachfrage allerdings unter der Vorverlegung des Fremdsprachenbeginns von Klasse 5 auf Klasse 3. Denn viele Eltern wollen ihre Kinder nicht so früh auf das „schwierige“ Französisch festlegen, zumal es dann vier Jahre dauert, bis in Klasse 7 endlich das Englische hinzukommt. In der Konsequenz wählten dieses Jahr nur noch 2,3 Prozent der Drittklässler Französisch als erste Fremdsprache. Dies sind laut Bildungsverwaltung 573 von 23542 Kindern.

Die Schulen reagieren auf die sinkende Nachfrage. Nur noch 45 Grundschulen bieten Französisch an. Im Schuljahr 2001/02 waren es 93.

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