Berlin : Nur noch eine Pferderennbahn für Berlin

Der Trabrennverein ist in einer Finanzkrise – deshalb wird die Aufgabe von Mariendorf und der Umzug nach Hoppegarten diskutiert

Ingo Wolff

Für die Besucher der Galopprennbahn Hoppegarten war es ein ungewohntes Bild, als im Sommer 2001 die ersten Traber über die Grasbahn zuckelten. Sie waren dort bis dahin nur Pferde gewohnt, die ihre Reiter auf dem Rücken tragen. Inzwischen ist es fast Tradition geworden, dass an ein oder zwei Renntagen im Jahr Pferde in Hoppegarten um die Wette fahren, die einen Wagen hinter sich herziehen. Das könnte bald noch häufiger sein. Denn beim Berliner Trabrennverein BTV und dem Union-Klub wird darüber nachgedacht, in Zukunft alle Pferderennen in Hoppegarten auszutragen. Für den Trabrennverein, der in einer tiefen Krise steckt, könnte dies eine Lösung für seine Finanzprobleme bedeuten. Die Zeit drängt. Zum Jahresende wird die Bahn in Karlshorst aufgegeben und ohne Hilfe von außen muss in wenigen Monaten auch über die Schließung der Trabrennbahn Mariendorf nachgedacht werden. Dort ist der Umsatz seit drei Jahren rückläufig. Hoppegarten wäre die derzeit preiswerteste Alternative für die Traber. Selbst nach einem Verkauf des Geländes in Mariendorf ließe sich der Standort Karlshorst nur schwer wettbewerbsfähig machen. Es wäre aber genug Geld für einen Neuanfang in Hoppegarten vorhanden.

„Für drei bis vier Millionen Euro ließe sich hier eine Trabrennbahn mit Tribüne integrieren“, sag Wilhelm-Karl von Preußen, der Vizepräsident des Union-Klubs. Die Galopp- Bahn ist 2350 Meter lang und hätte in der Mitte genug Platz für ein neues 1200 Meter langes Oval für die Traber. Eine eigene Tribüne würde auf der Nordseite stehen und von der alten Ehrentribüne hätten Zuschauer ebenfalls einen guten Blick. Gastronomie sowie Wettanlagen sind auch schon vorhanden.

Wenn es nach dem Union-Klub geht, dürften die Traber bald in Hoppegarten ankommen. Auch der Ex-Präsident der Traber, Hermann Gerbaulet, hält den Wechsel nach Hoppegarten für sinnvoll. Seine Nachfolger aber tun sich mit der Zukunft des Vereins deutlich schwerer. Vorbehalte gibt es gegenwärtig auch in der Politik. Der Bezirk müsste vor einem Verkauf in Mariendorf einer Umwidmung des Geländes in Bauland zustimmen. Auch den Senat haben die Initiatoren trotz eines Gesprächs mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit noch nicht überzeugt. In der Berliner Landespolitik wird offenbar befürchtet, ein Aushängeschild an Brandenburg zu verlieren – Hoppegarten liegt knapp hinter der Stadtgrenze .

Unions-Vizepräsident Peter Boenisch sieht das eher pragmatisch. Seit seinem Amtsantritt spricht er von einem „Paradies für Pferde“ in Hoppegarten. Schon jetzt haben zahlreiche Traber wie Daniel Dähn ihr Trainingsquartier in Hoppegarten bezogen und nutzen eine der drei Trainingsbahnen. Den Trainingsbetrieb in Hoppegarten zu konzentrieren hält auch der Geschäftsführer des Trabrennvereins, Dimitrios Vergos, für sinnvoll.

Für den Rennbetrieb aber bleibt Vergos vorerst bei einer Berliner Lösung. „Sieben- bis achtmal im Jahr nach Hoppegarten zu fahren lassen sich die Zuschauer sicher gefallen, aber ob die angestammten Wetter das auch jede Woche tun?“ Er liebäugelt mit einer Sanierung von Karlshorst inklusive einer Sandbahn für die Galopper. Doch dem Trabrennverein fehlt das Geld und die Treuhand Liegenschaft als Eigentümerin von Karlshorst möchte kein Geld mehr in die Anlage stecken.

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