Berlin : Nutzfahrzeuge

Werner van Bebber

spart auf einen Leopard Wie gut, dass unsere Politiker nicht jedem Trend hinterherlaufen. Da beschimpft der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone die Fahrer schwerer Geländewagen als „Idioten“. Der Verkehrsdezernent von Paris verflucht sie als „Todesmaschinen“, die Regierung dort droht mit einer Ökoabgabe von 3200 Euro für die „Sports Utility Vehicles“. Gewiss lässt nur der schiere Neid auf deutsche Kraftwagenherstellkunst die Politiker in London und Paris derart toben, denn Lifestyle muss sich auch mit Allradantrieb ausdrücken dürfen. Sicher – die schicken Geländewagen genießen Steuervorteile gegenüber jedem proletenhaften Golf. Doch hat der aufgeschreckte Verkehrsminister Manfred Stolpe versprochen, diese Vorteile „behutsam“ abzubauen. Dass die fast drei Tonnen schweren Autos bei einem Unfall fast jeden Gegner außer einem Leopard-Panzer platt machen, kann man als Vorteil werten. Auf die Perspektive kommt es an, und unsere Senatspolitiker haben eine sachliche, unpopulistische Perspektive auf die umstrittenen Fortbewegungsmittel. Es ist die Perspektive der Nichtzuständigkeit. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer will sich dazu nicht äußern, die Senatskanzlei auch nicht. Dafür hat der Bundeskanzler jüngst alles Wesentliche zum Ausdruck gebracht, indem er sich beim G-8-Gipfel mit dem jordanischen König Abdullah vor einem deutschen Luxus-Geländewagen ablichten ließ. Alles klar, vielen Dank. Und wenn das mit den Berliner Straßen so weiter geht, werden wir autotechnisch ohnehin aufrüsten müssen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben