Berlin : O die Fröhliche

Magdalena Kozena ist in Weihnachtsstimmung: An der Staatsoper Berlin singt sie in der Oper „L’Etoile“ Und sie freut sich schon jetzt auf Festtage mit den Bräuchen aus ihrer tschechischen Heimat Brünn.

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Heidestraße 14, ein unscheinbares Lagerhaus, die Probebühne der Staatsoper. Es herrscht das gewollte Chaos: gestreifte Sessel, ein Laminat-Büfett, Hochzeitstorten aus Papier, auf der Anrichte eine leere Whiskyflasche, ein Staubwedel, ein Kugelschreiber-Clip hält Autogrammkarten mit Wowereits Porträt. Eben beginnt hier wieder ein Stern zu leuchten. Denn alles ist Teil einer Inszenierung, die im Dezember noch einmal ins Schillertheater kommt. „L’Etoile“ von Emmanuel Chabrier hat schon 2010 das Publikum begeistert. Jetzt kehrt diese Oper voller Witz und Seitenhiebe auf aktuelle Politik zurück in ein vorweihnachtlich geprägtes Dezemberprogramm. Vom 4. Dezember an ist sieben Mal Sternenzeit. In der Titelrolle ein Weltstar: Mezzosopranistin Magdalena Kozena. Am Pult ihr Ehemann, einer der weltweit prominentesten Dirigenten: Simon Rattle.

Der Weltstar posiert eben auf dem rot-goldenen Thron vor der provisorischen Bühne: groß, schlank, langer, blonder Mozartzopf, spitze schwarze Stiefel, hohe Hacken. Der Thron steht ihr gut, ist aber fremdes Terrain. Er gehört nicht zur Rolle von Magdalena Kozena, sondern zu der eines zu kurz geratenen Regenten, dessen Name für seinen Charakter steht: Ouf, gesprochen: uff! Sie selbst spielt Lazuli und ist in „L’Etoile“ kaum wiederzuerkennen: ein junger Typ von der Straße, Kurzhaarperücke, graue Klamotten, Hut auf, freche Pose. „Hosenrollen bin ich als Mezzo gewöhnt“, sagt sie. „Am Anfang meiner Karriere war ich noch neidisch auf Sopranistinnen. Die hatten immer die tollen Roben und durften ihre langen Beine zeigen. Als Mann auf der Bühne hat man so viel übereinander an, immer ist einem warm. Aber mittlerweile reizen mich die Rollen. Anders gehen, anders dastehen. Jeder Satz muss kraftvoll kommen.“ In „Der Stern“ darf sie ein junger Herzensbrecher sein, ein Leichtfuß mit viel Chuzpe. „Ich weiß, so kennt man mich gar nicht. Aber ich finde, humorvolle Rollen liegen mir. Obwohl ich Bühnentode ja sehr liebe. So viel Drama – und danach darfst du trotzdem weiterleben. Toll, oder?“ sagt sie auf Englisch. Dass die Staatsoper es mit einer komischen Oper weihnachten lässt, findet sie wunderbar. „We need more comedy in our life.“ Und ein Weihnachtsmensch ist sie sowieso.

Magdalena Kozena stammt aus dem tschechischen Brünn. In ihrer Kindheit lernte sie entbehren. Doch ihre Erinnerungen an Weihnachten sind „extrem romantisch“. Südfrüchte, für die die Mutter stundenlang Schlange stand. Der Duft von Plätzchen. Ein Festessen, unter dessen Gewicht sich die Tafel bog und für das man den ganzen Tag über gehungert hat. Wenn ihr das aushaltet, sagten die Eltern, seht ihr am Weihnachtsabend das goldene Schwein. Und den knusprigen Braten gab es dann tatsächlich. Mit der Schwester ließ sie Schiffchen aus Walnusshälften und brennenden Kerzen schwimmen. Während der Vater die beiden mit einem Spaziergang ablenkte, bereitete Mama zu Hause die Bescherung vor. Die Christmette um Mitternacht hat Magdalena Kozena selten unten auf der Kirchenbank erlebt. Sie sang auf der Empore, zum Beispiel die tschechische Weihnachtsmesse von Jakub Jan Ryba. „Ein barockes Werk. Nicht gerade Bach, aber jeder bei uns zu Hause kennt und liebt es.“ Sie hat es auch auf CD eingesungen.

Viele der heimatlichen Weihnachtsbräuche hat Magdalena Kozena mit in die Jetztzeit genommen. Zu ihrem Weihnachtsessen – „ich koche gern“ – gehört die Karpfensuppe mit Fischkopf und Rogen. Die mag ihr englischer Ehemann nicht so gerne. „Aber er isst sie mir zuliebe.“ Der Weihnachtsbaum im Berliner Domizil muss bis unter die Decke reichen, Magdalena Kozena hängt gern Äpfel, Strohsterne und Holzfiguren dran. Und ihren beiden Jungs, sechs und drei Jahre alt, die auf eine deutsche Schule gehen, will sie auf alle Fälle ein paar tschechische Weihnachtslieder beibringen.

Letztes Jahr, da waren sie alle vier über Weihnachten in New York. Die 38-Jährige und ihr Mann probten an der Met. Heiligabend in den USA – ein wunderbares Erlebnis, sagt sie. Diesmal aber wird sie wieder ihre Heimatbräuche pflegen. Magdalena Kozena strahlt, als sie sagt: „Meine Mama und meine Schwester kommen zu Besuch. Das wird schön!“

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