Berlin : Oase des Glaubens

Das Erzbistum feierte auf dem Bebelplatz 75-jähriges Jubiläum. Zum Festgottesdienst kamen mehrere tausend Menschen

Claudia Keller

Selbst am Sonntag wummerten auf dem Bebelplatz neben der Staatsoper Baumaschinen, es fiepte und zischte. Davon ließen sich die 15 Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aber nicht stören, als sie gestern Mittag dort auf einer Bühne das 75-jährigesJubiläum des Berliner Erzbistums mit einem Dankgottesdienst zelebrierten. Selbstbewusst hatte das Bistum die Plane, die die Baustelle für das „Grand Hotel de Rome“ bedeckt, mit den eigenen weiß-gelben Fahnen geschmückt. Das Bistum ist in seiner kurzen Geschichte mit ganz anderen Störungen fertig geworden.

Eigentlich habe der permanente Ausnahmezustand geherrscht, sagte der Apostolische Nuntius Erzbischof Erwin Ender in seinem Grußwort. Kurz nachdem Papst Pius XI. 1930 die Gründungsurkunde unterzeichnet hatte, mussten die Berliner Katholiken unter dem Terror der Nazis leiden. Es folgten die Zerstörungen durch den Krieg und nach dem Krieg die Teilung der Stadt. Heute kämpft das Bistum mit einer bisher nie gekannten finanziellen Krise.

„Grund genug, dankbar zu sein, dass es uns überhaupt noch gibt“, sagte Kardinal Georg Sterzinsky in seiner Predigt. Er beschrieb das heutige kirchliche Leben in der Hauptstadt als ein „Netzwerk von Oasen“. Wer ihm gestern auf dem überfüllten Bebelplatz zuhörte, dicht gedrängt stehend, mochte das wohl glauben. 6000 Zuhörer sollen es nach Auskunft des Bistumssprechers gewesen sein, darunter Nonnen und Ordensritter in schwarzen und weißen Gewändern, Ordensritterinnen zusätzlich in schwarze Spitzenschleier gehüllt. Viele Jugendliche trugen das blaue T-Shirt des Weltjugendtages mit dem gelb-orangenen Kreuz und schwenkten Fahnen aus Lateinamerika, Korea, Italien. Auf einer Flagge stand „Oswiecim“: Jugendliche aus dem früheren Auschwitz hielten sie in die Höhe.

Kardinal Sterzinsky warb dafür, die Oasen wachsen zu lassen und anderen den Weg dorthin zu zeigen. Denn dort gäbe es „Liebe, die Verzeihung schenkt, Gemeinschaft und den Boden, in dem man Wurzeln schlagen kann“. Die Kardinäle und Bischöfe, die mit ihm zusammen den Gottesdienst zelebrierten, sind aus den Nachbar-Bistümern in Ost und West angereist, sowie aus den Hauptstädten der alliierten Mächte des Zweiten Weltkrieges. Der frühere Berliner und heutige Kölner Erzbischof Joachim Meisner mahnte, auch in Zukunft die Einheit der Kirche zu wahren, „die hilft, dass eine Kirche in der großstädtischen Diaspora nicht an innerer Erosion zugrunde geht“. Die Einheit demonstrierten an diesem Tag die vielen Stände der Gemeinden und Vereine, die den Bebelplatz säumten.

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