Oasen im Winter : Grüne Wärmestube in Berlin

Nach Wochen voller Kälte und Schnee lechzen Körper und Seele nach Sonne und Palmen. Falls Geld und Zeit für eine Reise in die Tropen nicht reichen: Man findet sie auch in Berlin.

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Schwitzen unter der Wintermütze. Im Balinesischen Garten im Erholungspark Marzahn herrschen permanent rund 22 Grad.
Schwitzen unter der Wintermütze. Im Balinesischen Garten im Erholungspark Marzahn herrschen permanent rund 22 Grad.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Selbst wenn die Temperaturen zurzeit etwas über null liegen: Die Kälte der vergangenen Wochen steckt tief in den Knochen und auch die Seele atmet beim Blick auf unverändert kahle Baumgerippe, Reste abgebrannter Feuerwerkskörper und die bedrückend graue Himmelsdecke nicht auf. Wen wundert‘s, dass unter solch trüben Bedingungen die Sehnsucht nach Licht und Wärme rasant steigt. Aus meteorologischer Sicht müssen wir auf beides wohl noch etliche Wochen warten. Doch zum Glück gibt es in und um Berlin einige Möglichkeiten für einen die Lebensgeister weckenden Kurztrip in tropische Gefilde.

Mit den Urlaubsgefühlen kann es gleich heute losgehen: Am Abend beginnen die Tropischen Nächte in den festlich erleuchteten Gewächshäusern des Botanischen Gartens Dahlem. Im großen Tropenhaus spielt an jedem Januarwochenende freitags die Tin Pan Alley Steelband karibische Tanzmusik auf Ölfässern und sonnabends heizt die Latin-Beat Band Caché rund um den kolumbianischen Frontmann Ivan Araque den Besuchern ein. Noch mehr Exotik für die Ohren serviert Johannes Heretsch alias DJ Globalution, in der DDR war er „staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter”, heute ist Heretsch Radiomoderator und Profi für bunte Musikcocktails aus aller Welt. Damit auch auf der Zunge Sommer herrscht, wird es im tropischen Nutzpflanzenhaus außerdem Kokoswasser aus frischen Nüssen zu kosten geben. Und wer bei dem Besuch in den Tropen auch noch etwas lernen möchte, kann an botanischen Kurzführungen im Farn- und Bromelien- sowie im Kakteen- und Mittelmeerhaus teilnehmen. „Nur in diesem braucht man zurzeit eine Jacke“, stellt Uwe Nef vom Botanischen Garten in Aussicht.

Nicht nur Flora, sondern auch Fauna gibt es in der Biosphäre Potsdam bei Rundgängen auf eigene Faust, Führungen oder romantischen Candle-Light-Dinners im Tropencamp zu entdecken. Neben zahlreichen tropischen Pflanzen wie Vanille und Ingwer leben hier unter anderem exotische Schmetterlingsarten, leuchtend bunte Anemonenfische aus dem Indopazifik, die sich als Zweig tarnende Stabschrecke aus Vietnam und die kleine Papageienart der Unzertrennlichen. Die farbenfrohen Tiere aus Afrika gelten als besonders verschmust. So schnäbelten sie bereits 1963 als „Liebesvögel” im Hitchcock-Klassiker „Die Vögel” und sorgen durch ihre zärtliche Art beim Beobachter für erste Frühlingsgefühle.

Wer speziell mal nach Indonesien reisen möchte, kann das von Marzahn aus tun. In den Gärten der Welt wartet der balinesische „Garten der drei Harmonien“, Tri Hita Karana darauf, erkundet zu werden. Durch ein Gewächshaus geschützt ist die Anlage der Anordnung eines Wohnkomplexes im südlichen Bali nachempfunden. Dort kennt man keine Gärten im europäischen Sinne, denn meist schließt sich der Urwald direkt an die Wohnanlage an. Und so werden im Gewächshaus unter anderem exotische Farne, Blattpflanzen und viele farbenprächtige Gardenien, Hibisken und Orchideen gezüchtet. Auch ein Tempelbaum wächst hier, er gilt auf vielen indonesischen Inseln als heilig. Die duftenden Blüten werden als Opfergabe oder Haarschmuck verwendet – eine Dekorationsmöglichkeit, die den Besuchern in Marzahn nicht offensteht.

Blüten im Haar werden hingegen gern bei der Nonga Dance Group in Reinickendorf gesehen. Seit zwölf Jahren unterrichtet die gebürtige Tonganerin Mele Köhncke in Berlin polynesische Tänze und Kultur. Zweimal die Woche bietet die 39-Jährige einen Tanzkurs für Anfänger und Fortgeschrittene sowie monatlich einen Workshop, in dem Einsteiger drei Tänze erlernen können. Spaß an der Bewegung und Interesse an anderen Kulturen reichen hier völlig, um sich an Südseestrände zu träumen. „Unsere Tänze aus Tahiti, Samoa und von den Cook Islands lassen niemanden kalt“, verspricht Köhncke.

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