Obama besucht Berlin : Der Große Stern ist schon gesperrt

700 Polizisten sichern den Besuch des designierten US-Präsidentschaftskandidaten. Der Hoffnungsträger der Demokraten steigt im Adlon ab - dem zweitsichersten Hotel der Stadt.

Obama karikatur Karikatur: Seyfried
Karikatur: Seyfried

Berlin Eine halbe Million sollen es werden bei Obama - das erhoffen sich die "Dems in Berlin“, wie sich die Anhänger der Demokratischen Partei hier nennen. Gestern verteilten sie Flugblätter in der West-City. "Senator Barack Obama - kostenlos und für die Öffentlichkeit frei zugänglich“, heißt es darauf. Im Kleingedruckten steht: „Bitte beschränken Sie die Mitnahme persönlicher Gegenstände.“ Denn am Zugang, der nur vom Brandenburger Tor aus möglich sein soll, werden Besucher von privaten Wachschützern kontrolliert. Obamas Agentur spricht, wie berichtet, von "zehntausend bis einer Million“ erwarteten Zuhörern. Mit einigen zehntausend rechnen die Berliner Behörden, höhere Erwartungen seien übertrieben, hieß es.

Die Absperrungen für den Auftritt haben bereits begonnen, tausende Autofahrer standen deshalb schon gestern im Stau. Denn anders als angekündigt hatte die Polizei bereits am Dienstag früh einen Teil des Großen Sterns gesperrt, und zwar das Stück von der Straße des 17. Juni bis zur Altonaer Straße. Ein Umrunden ist in den nächsten Tagen nicht mehr möglich, weil auf dieser Fläche die Bühne aufgebaut wird. Das Polizeipräsidium und die Verkehrslenkung wussten davon bis gestern Mittag nichts. Autofahrer aus der Hofjägerallee wurden an der Siegessäule Richtung Brandenburger Tor geleitet - in den Stau. Denn mittags brachten dort mehrfach die Fahrzeugkolonnen des Irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki den Verkehr zum Stillstand. Für den als gefährdet eingestuften Politiker wurden mehrfach die Straßen im Regierungsviertel gesperrt.

Das geht in den kommenden Tagen weiter, denn al Maliki, der mit mehreren Ministern nach Deutschland gekommen ist, verlässt erst am Donnerstag wieder die Stadt. Weil der Iraker mit seinem großen Tross das Hotel Interconti an der Budapester Straße blockiert, wird Obama im Adlon übernachten. Sonst ziehen amerikanische Präsidenten am liebsten ins Interconti, das 1998 mit freundlicher Hilfe der US-Sicherheitsbehörden in eine Art Hochsicherheitstrakt umgebaut worden ist, mit Panzerglas und Stahlbeton. Die Präsidentensuite im sechsten Stock soll dem Beschuss mit Panzerfäusten standhalten. Auch das Adlon wurde in den vergangenen Jahren zusätzlich mit Panzerglas und Stahlbeton geschützt und trägt den inoffiziellen Titel „zweitsicherstes Hotel der Stadt“. Dort ist Obama nun auch ganz nah am Brandenburger Tor, an dem er ursprünglich seine Rede halten wollte.

700 Polizisten werden Obamas Besuch sichern, die Kosten übernimmt das Land. Gut 200.000 Euro ergeben sich theoretisch, wenn die anfallenden Arbeitsstunden zusammengezählt werden. Die Straße des 17. Juni ist bereits mit Metallgittern eingezäunt, damit Besucher nicht unkontrolliert auf die Obama-Fanmeile gelangen. Der Senat hofft immer noch darauf, dass Obama viel Zeit findet für Berlin. Der Termin des Treffens mit Wowereit sei noch "im Prozess der Abstimmung“, hieß es gestern im Roten Rathaus. Fest stehen bislang die Besuche Obamas im Kanzleramt (11 Uhr) und im Außenministerium (14 Uhr). Gehofft wird auch in Tempelhof. „Wir erwarten Obama bei uns“, sagte Volker Perplies von der "Initiative Tempelhof soll Weltkulturerbe werden“ gestern. Eine Bestätigung, welche Punkte der Senator bei seiner Rundfahrt ansteuern wird, gab es jedoch auch gestern noch nicht. (Ha)

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