Berlin : Obama kommt: Es gibt kein Halten mehr

Die Parkverbotsschilder im Tiergarten stehen schon Und die Siegessäule hat plötzlich mehr Zulauf

Christian van Lessen

Schon sind die Halteverbotszeichen aufgestellt: „Ab 22.7, 10 Uhr bis 26.7., 10 Uhr.“ Vor der Siegessäule sieht es am Sonntagmittag aus, als stünde Barack Obamas Ankunft unmittelbar bevor. Polizeiautos sperren mit Blaulicht Fahrspuren auf der Straße des 17. Juni Richtung Brandenburger Tor ab. Mannschaftswagen rollen langsam in den Tiergarten hinein, auch sonst fährt viel Polizei um den Großen Stern – Sicherheitsvorkehrungen für das Gelöbnis gestern Abend. Aber auch ein Vorgeschmack auf Donnerstag.

Die angekündigte Rede des designierten demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten am Donnerstag gegen 19 Uhr vor der Siegessäule wirkte schon gestern anziehend auf Touristen. Das Bauwerk wurde viel fotografiert, und die Frau an der Eingangskasse hatte heftig zu tun. Vielleicht könnte es ein Obama-Bonus sein, vermutete sie, andererseits sei Ferienzeit, da kämen ohnehin viele Gäste.

Aber oft fällt der Name Obama, die Leute rätseln, wo er reden, sich postieren wird, damit die Kameras den Blick aufs Brandenburger Tor erhaschen. Steht er auf einer Tribüne oberhalb der Stufen? Noch ist nichts aufgebaut. Sicherheitsexperten haben in den vergangenen Tagen die Gegend dezent aber eingehend begutachtet. Im engeren Umkreis des Rednerpultes ist mit intensiven Kontrollen zu rechnen. Die Säule, so viel ist sicher, wird am Donnerstag fürs normale Publikum geschlossen. Wie weit das Café Viktoria direkt am Großen Stern den strengen Sicherheitsvorkehrungen Tribut zollen muss – das alles ist offen.

Die Polizei will sich am Sonntag „noch nicht konkret festlegen“,welche Absperrungen, Kontrollen und Verkehrseinschränkungen für die abendliche Veranstaltung geplant sind. Alle Zugangsstraßen müssen gesperrt werden. Die Kosten für den Polizeieinsatz trägt das Land Berlin. Es wird eine „Meile“ mit Imbiss- und Getränkeständen und mehreren Videoleinwänden geben, aber nicht im Ausmaß einer normalen Fanmeile. Die beauftragte Agentur will spätestens Mittwoch mit dem Aufbau beginnen. Die Zeit für Vorbereitungen sei „relativ knapp“.

Senatssprecher Richard Meng sagte, Obamas Besuchsprogramm nach seiner Visite bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sei ab 14.30 Uhr „noch relativ unklar“. Aber der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit werde, wo auch immer, mit Obama zusammenkommen: Möglich seien das Holocaust-Mahnmal, das Rote Rathaus oder auch das Brandenburger Tor. Die US- Demokraten hatten, wie berichtet, einen „privaten Spaziergang“ des Senators aus Illinois angekündigt, auf dem er auch Orte besichtigen wollte, die für das deutsch-amerikanische Verhältnis von Bedeutung sind. Als mögliche Stationen wurden der Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße und der Flughafen Tempelhof genannt, auch die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße in Mitte.

Höhepunkt seiner Visite und seiner Europareise überhaupt wird die Rede am Großen Stern sein. Der Gast sollte mit seinem Tross allerdings nicht unbedingt in die Fußgängertunnel blicken. Sie sind dunkel und beschmiert, aufs grelle Licht der Weltöffentlichkeit, das in wenigen Tagen auf die Siegessäule gerichtet ist, nicht vorbereitet. Christian van Lessen

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