• Obdachlosenärztin hört auf – es kommen zu wenig Patienten Jenny De la Torre half am Ostbahnhof vielen Kranken

Berlin : Obdachlosenärztin hört auf – es kommen zu wenig Patienten Jenny De la Torre half am Ostbahnhof vielen Kranken

zurück ins Leben – deswegen fehlt jetzt Geld für die Praxis

Viola Volland

Sie wollte die Obdachlosen nicht nur kurieren, sondern ihnen auch helfen, den Weg zurück ins normale Leben zu finden. Die Folgen bekommt sie nun selbst zu spüren. Die Ärztin Jenny De la Torre, die „Mutter der Obdachlosen" wird ab Oktober nicht mehr in der Praxis am Ostbahnhof arbeiten. Weil seit längerem immer weniger Obdachlose kommen, ist die Finanzierung ihrer Stelle durch die gezahlten Fallpauschalen nicht mehr voll gesichert. Deswegen kann die gemeinnützige „Mut Gesellschaft für Gesundheit mbH“ wöchentlich nur noch 25 statt bisher 40 Stunden bezahlen. Solch eine Reduzierung lehnt De la Torre aber ab. Sie arbeite entweder voll oder gar nicht, sagt sie.

Für die sinkenden Patientenzahlen hat die peruanische Ärztin letztlich selbst viel getan: So hat die Ärztin, die 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, nicht nur Verbände angelegt, sondern ihre Schützlinge stets dazu ermuntert, den Weg aus der Obdachlosigkeit zu wagen und ist auch mit zum Sozialamt gegangen. „Sie hat viele zurückführen können in das Regelsystem", sagt Angelika Patkovsky von der Gesellschaft Mut. Je mehr Obdachlose die Ärztin aber so von der Straße weggeholt hat, desto weniger gesichert wurde ihr eigener Arbeitsplatz.

„Ich freue mich, dass es weniger Patienten geworden sind", sagt die Medizinerin dennoch - und betont: „Mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Das ist mein Leben." Mit ihrer Kündigung wolle sie auch ein „Alarmsignal setzen". Schließlich könne man das Problem Obdachlosigkeit nicht lösen, indem man nur auf das Ehrenamt setzt.

Trotz der geringeren Zahl an Patienten sei die Arbeit in wöchentlich 25 Stunden nicht zu schaffen. „Für diese Patienten braucht man viel Zeit", erklärt Jenny De la Torre. Schließlich kämen die Leute mit schweren Krankheiten wie Epilepsie, Erfrierungen, Gefäß- und Lungenkrankheiten zu ihr. „Wir haben zweieinhalb Stellen in der Praxis, das ist das Minimum."

Bei der gemeinnützigen Gesellschaft bedauert man die Entscheidung der Ärztin. „Die Obdachlosen werden sie sehr vermissen", sagt Angelika Patkovsky. Zwei Ärzte, die zum Teil ehrenamtlich arbeiten werden, übernehmen die Sprechstunden für die Peruanerin ab Oktober. Die Träger-Gesellschaft war bei der letzten Weihnachtsspendenaktion des Tagesspiegels ausgezeichnet worden. 15 000 Euro bekam das Tochterunternehmen der Berliner Ärztekammer für medizinische Geräte. Und was macht Jenny De la Torre in Zukunft? „Ich kämpfe jetzt weiter“, sagt die 49-Jährige. Für ein Rehabilitationszentrum für Obdachlose, das sie mit ihrer Stiftung aufbauen will. Dafür wolle sie jetzt Gelder sammeln.

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