Obduktionsergebnis : Bestätigt: Berliner starb an Schweinegrippe

Jetzt ist es offiziell: Todesursache des am Montag verstorbenen Berliners ist die Schweinegrippe. Die Angehörigen erheben schwere Vorwürfe gegen das Urban-Krankenhaus. In Brandenburg können sich Patienten seit Tagen über Impfpraxen informieren.

Johannes Radke,Christoph Stollowsky

Am Freitagnachmittag gab es die endgültige Gewissheit: Bei dem zu Beginn dieser Woche im Urban-Krankenhaus gestorbenen 40-jährigen Berliner hat sich der Verdacht von Schweinegrippe als Todesursache bestätigt. „Die Obduktion liegt jetzt vor, der Patient ist an Schweinegrippe gestorben“, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die virale Lungenentzündung des Toten, mit der er in die Klinik eingeliefert wurde, sei auf eine H1N1-Infektion zurückzuführen. Weitere Vorerkrankungen habe der 40-Jährige nach bisherigen Untersuchungen nicht gehabt. Der Leichnam war zuvor im Institut für Rechtsmedizin der Charité obduziert worden. Die Angehörigen des an der Schweinegrippe Verstorbenen haben unterdessen Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen Unbekannt gestellt.

„Der Anzeige nach hat der Kranke über längere Zeit nach einem Arzt geklingelt, aber es kam keine Hilfe“, sagte am Freitag ein Polizeisprecher. Aufgrund der Anzeige sei jetzt ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden. Nach Angaben von Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer hat es keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass die virale Lungenentzündung des Patienten einen solch schweren Verlauf nehmen würde. „Bei der Ankunft im Krankenhaus hat der Patient angegeben, bereits seit fünf Tagen an den Krankheitssymptomen zu leiden.“ Entsprechend dieser Angaben hätte sich an der Behandlung nichts geändert, auch wenn bereits vor seinem Tod die H1N1-Infektion bekannt gewesen wäre, sagte Dolderer. Die Infektion wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt. Zu den Vorwürfen der Familie wollte er sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Am Freitag riefen erneut tausende verunsicherte Berliner in den Gesundheitsämtern an, um sich zu erkundigen, ab wann und wo sie sich impfen lassen können. Zugleich klagten impfwillige niedergelassene Ärzte, dass sie von der Gesundheitsverwaltung noch keine ausreichenden Informationen zum Ablauf der geplanten Impfaktion in ihren Praxen erhalten hätten. In Brandenburg würden diese Vorbereitungen besser laufen.

Im Vergleich zur Mark schneidet Berlin tatsächlich schlecht ab. In beiden Länder wurden 2000 niedergelassene Ärzte befragt, ob sie sich ab Montag an der Impfaktion beteiligen wollen. In Brandenburg sind inzwischen 630 Praxen dabei. In Berlin nur knapp 400 – und von diesen werden zunächst auch nur bis zu 200 tatsächlich impfen. Bei den restlichen Praxen sind die Impfverträge zwischen dem Land und den Medizinern von der Verwaltung noch nicht fertig bearbeitet.

In Brandenburg gehen am Montag schon die meisten der 630 Praxen an den Start. Alle Interessierten können dort schon seit vergangenem Donnerstag einen Impftermin mit einem Arzt in ihrer Nähe vereinbaren, weil es seither eine Service-Website des Gesundheitsministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit den Adressen aller Impfpraxen gibt. In Berlin soll eine solche Information im Internet erst ab Montag früh im Netz stehen. Kritiker befürchten, dass wegen der fehlenden Vorlaufzeit dann tausende Berliner auf einmal die Praxen anrufen und ein Chaos ausbricht.


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