Berlin : Oberin Schäfer-Frischmann

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Eine fröhliche und herzliche Atmosphäre empfängt den Besucher, wenn er die Zentrale der DRK-Schwesternschaft Berlin in der Mozartstraße betritt. Viel Licht, leichte, weiße Möbel, Bilder und Blumen – und an allen Schreibtischen Frauen. So beschwingt habe ich mir das „Hauptquartier“, von dem aus die vier großen DRK-Kliniken in Berlin gesteuert werden, nicht vorgestellt. Ihrem Aufsichtsrat steht Oberin Heidi Schäfer-Frischmann vor, eine dezent elegant gekleidete, sehr gepflegte und in sich ruhende Fünfzigerin, die auf die Menschen zugeht, zuhören kann und mit schlichter Klarheit ihre Positionen vertritt.

Seit ihrem 17. Lebensjahr dient die passionierte Krankenpflegerin unter dem Zeichen des Roten Kreuzes den Pflegebedürftigen. Die Tochter aus dem kommunistischen Arbeiterhaushalt im Wedding ist damals nur zu gerne in ein Heim der Schwesternschaft gezogen. Seither hat sie mit wachsender Verantwortung als OP-Schwester, als Unterrichtsschwester, als Abteilungsschwester und als Pflegedienstleiterin in den DRK-Kliniken Jungfernheide und Mark Brandenburg gewirkt. Schließlich wurde sie Geschäftsführerin der DRK-Krankenhaus GmbH und der Gemeinnützigen GmbH der DRK-Klinik Köpenick.

Seit 1979 war sie zudem im Vereinsvorstand der DRK-Schwesternschaft und nun schon seit genau zehn Jahren deren Vorsitzende. Noch aus den Händen von Johannes Rau erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, das bleibt ihr in besonderer Erinnerung. Sie ist nämlich überzeugt von der wichtigen Rolle, die Anerkennung von Leistungen für die Menschen spielt. Und so hält sie es auch mit ihren rund 3000 Mitarbeiterinnen und den 300 Auszubildenden. Bei den häufigen Besuchen in den Häusern begrüßt sie alle Schwestern mit Handschlag und erinnert sich bei vielen an ihre Namen und persönlichen Probleme. Nur wer selber Anerkennung bekommt, kann Zufriedenheit in seiner Arbeit finden und andere davon etwas spüren lassen, ist sie überzeugt.

Diese Maxime hilft, in den Häusern wohltuend freundlich und doch effizient zu arbeiten. So machen die Kliniken mit ihren 1425 Betten und ihrer modernen Ausstattung nicht nur einen fast „einladenden“ Eindruck, sondern auch Gewinn, der voll wieder investiert wird. Mit rund 50 000 Patienten im Jahr erreichen sie einen Umsatz von 180 Millionen Euro. Die Oberin kann sich durchaus vorstellen, noch die eine oder andere Klinik zu übernehmen. Dabei hätte sie einen dringlichen Wunsch an die Politik: Mit den atemlosen „Gesundheits-Reformen“ werde jede Chance genommen, sie mit Sorgfalt umzusetzen. Mehr Stabilität und Eigenverantwortung sind ihre Wünsche.

Stabil ist das Privatleben der „fleißigen Schwester“. Mit ihrem Mann, einem Siemens-Manager, hat sie eine 25-jährige Medizin studierende Tochter. Sie wohnen in Zehlendorf, und sie hält es mit Churchills „no sports“. Aber das scheint ihr prächtig zu bekommen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Heidi Schäfer-

Frischmann (55)

ist Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin und

Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin

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