• Oberlausitzer Kirche fusioniert nicht mit der Berliner Sächsische Protestanten fürchten Homo-Ehe und Tanz im Gotteshaus

Berlin : Oberlausitzer Kirche fusioniert nicht mit der Berliner Sächsische Protestanten fürchten Homo-Ehe und Tanz im Gotteshaus

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Alle reden von der „Fusion“, nur Klaus Wollenweber nicht. Er ist das Oberhaupt der „evangelischen Kirche schlesische Oberlausitz“. Die liegt in Sachsen. Wollenweber kämpft seit Jahren für den Zusammenschluss seiner Landeskirche mit der BerlinBrandenburger. Aber mit „Fusionen“ hat man in der Oberlausitz schlechte Erfahrungen gemacht: Da kamen nach der Wende die Wessis und haben die Oberlausitzer Firmen geschluckt. Deshalb haben viele Sachsen Angst, dass das auch mit ihrer Kirche passieren könnte. Wollenweber spricht folglich lieber von der „Bildung einer neuen Kirche“.

Umsonst. Am Sonnabendabend sollten die Oberlausitzer und die Berliner auf einer Synode in Berlin über den Zusammenschluss entscheiden – und sie entschieden sich dagegen. Besser gesagt: Es entschieden sich nicht genug dafür. Beide Seiten hätten sich jeweils mit Zweidrittel-Mehrheit dafür aussprechen müssen, dann hätte es ab dem 1. Januar 2004 eine gemeinsame „Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg–schlesische Oberlausitz“ mit neuer Verfassung gegeben. Für die Berlin-Brandenburger kein Problem: Da standen 117 Ja- gegen nur elf Nein-Stimmen. Unter den Oberlausitzern hat die knappe Mehrheit nicht genügt: Von den 40 Delegierten sprachen sich nur 25 für den Zusammenschluss aus, 27 hätten es sein müssen.

Bischof Wollenweber zeigte sich von dem Ergebnis schockiert: „Ich weiß nicht, was aus unserer kleinen Kirche nun werden soll“. Berlin-Brandenburgs Bischof Wolfgang Huber war ebenso überrascht. Er sprach von einem „bitteren Augenblick“. Man habe drei Jahre an dem Projekt gearbeitet, habe neue Grundordnungen ausgearbeitet – das dürfe nicht umsonst gewesen sein. Man müsse nun gemeinsam überlegen, wie es weitergeht, „ein Schlussstrich wäre die falsche Botschaft“.

Die Oberlausitzer Landeskirche ist mit 69 Gemeinden und 65000 Mitgliedern so groß wie der Kirchenkreis Steglitz. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg hat 1,2 Millionen Mitglieder in 1448 Gemeinden. Die Initiative zur Fusion ist von den Lausitzern ausgegangen, aber viele von ihnen wehren sich auch dagegen. Sie befürchten, dass die „schlesische Identität“ der Gottesdienste verloren ginge. Dass es künftig auch in der Oberlausitz Tanzgruppen in der Kirche geben könnte wie in Berlin oder Jazzgottesdienste. Außerdem graut es den Görlitzern vor dem Brandenburgischen Ethikunterrichtsfach LER und davor, dass die Pfarrer – so wie in Berlin – gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen geben. „Bei uns zählt das Normale“, sagt Bischof Wollenweber.

Aber die Ängste seien unbegründet, setzt er gleich hinzu. Nur eines hätte sich geändert: Es hätte nur noch einen Bischof gegeben, im Januar sollte er gewählt werden. Huber war bereit zur Wahl, Wollenweber geht im Mai in den Ruhestand.

Der Zusammenschluss sollte sparen helfen, und außerdem sollte die kleine Oberlausitz in der Kirchenpolitik eine größere Rolle spielen. Der Wortführer der Fusionskritiker, Superintendent Friedhart Vogel aus Hoyerswerda, sieht das zwar ähnlich, ihm wäre es aber lieber, zur Sächsischen Kirche zu gehen. Viele Gemeinden würden sich der lutherisch-sächsischen Kirche näher fühlen. Aber die Basis sei ja nicht gehört worden. clk/dae

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